Drucken

Siebgeber / Garganelli

 

Manchmal werde ich gefragt, wie es zu Siebgeber kommen konnte. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Wer Leibgeber kennt, der braucht nicht lange zu fragen. Er weiß Bescheid. Wer nicht – was kann ich ihm sagen? Die Halbbildung hat in diesem Lande ein Ausmaß angenommen, das eine Verständigung über die einfachsten Zusammenhänge praktisch unmöglich macht. Wie Leibgeber geschaffen wurde, um den Obsessionen des Dichters einen Leib zu verschaffen, so wurde Siebgeber geschaffen, um dem Gedächtnis der Leser, falls sich denn welche einstellen sollten, auf die Sprünge zu helfen und die Spreu vom Weizen zu trennen: nicht umsonst endete das in der Globkult-Kolumne Der Stand des Vergessens, aus der schließlich das Buch Macht ohne Souverän. Die Demontage des Bürgers im Gesinnungsstaat hervorgehen sollte, nebst dem Satiren-Band Deutsches Roulette.

Keinesfalls wollte ich verschweigen, dass es sich bei Siebgeber, ebenso wie bei Garganelli, um eine persönliche Handpuppe handelt, der Schreiber ebenso wie der Zeichner, der, dies nebenbei, einem einschneidenden Unfall das Dasein verdankt. Es ist nicht falsch, Dinge, die einem etwas ferner liegen, mit der linken Hand zu betreiben, wie man so sagt, ohne deshalb der politischen Linken zu nahe treten zu wollen. Schließlich gibt es Anmutungen, denen ein Autor nachgehen möchte, aber nicht zu weit, nicht mit voller Kraft. Dafür sind Pseudonyme gut – unter einer Voraussetzung: dass sie gut sind.

 

0
0
0
s2smodern
powered by social2s