Wahlgesichter@rs

Warum Wissenschaft? Dummkopf, sie ist das Schicksal der Welt. Der uns bekannten Welt, um genau zu sein, denn eine andere, unbekannte Welt schickt sich an, sie zu beerben. Auch Wissenschaft erliegt ihrem Schicksal. Wussten Sie das nicht? Was wissen Sie überhaupt? Wissenschaft fliegt zu den Sternen, wir kennen die Bilder. Aber hier, zu Hause, wenn Sie so wollen, fliegt uns der Laden um die Ohren. Hübsche Metapher, finden Sie nicht? Wie verwandelt man Wissenschaft in eine Sprengladung? Nun … man verfügt, dass sie Rendite erwirtschaften muss. Das ist zwar ihr Schicksal, seit es sie gibt, aber es geht ihr damit immer mehr wie einst den christlichen Missionaren im Dienst des auf Kanonen und Wirtschaftskraft gegründeten Kolonialsystems. Wissenschaft funktioniert, solange das ganz Andere ihre Gedanken- und Experimentierwelt beherrscht: die objektive Beschreibung der Welt, die Erforschung von Möglichkeiten, die sich hier und da zu Wahrschein­lichkeiten verdichten, zu ›gesichertem Wissen‹, bereit, von der nächsten Entdeckung und der nächsten Hypothese in die Luft geblasen zu werden. Die scienzia nuova nuova hingegen, die liefern muss, was die Politik sich von ihr verspricht, liefert … Typen, die der Politik und den Medien verklickern, was ›die Wissenschaft‹ denkt, weiß, voraussagt, vorschlägt, während die Riege ungefragt bleibender Kollegen aus lauter Urteilsabstinenz in die Begleitforschung abdriftet und hintenherum eine Zeitlang leise mit den Zähnen knirscht. Die nächste Generation weiß dann bereits Bescheid. Sie kennt nur noch Begleitforschung, schon aus dem einfachen Grund, weil sie sonst nicht wüsste, wie sie ihre Forschungsetats zusammenbekäme. Sie wüsste auch nicht, wozu Wissenschaft sonst gut sein sollte. Im Zeitalter der Rendite-Wissenschaften beschränkt sich wahre Forschung darauf zu ergründen, woher der Wind weht und wohin der Hase läuft. Auch dieses Fach bringt, wie in unseren Tagen gesehen, wahre Meister hervor. Und wenn der Hase sich verrennt? Dann verrennt sich halt die Gesellschaft und es wird teuer. No risk no fun.

0
0
0
s2smodern
powered by social2s

 

 

T - Die Stufen des Kapitols Das Bersten

T. Die Stufen des Kapitols

Ein politischer Roman
Manutius Verlag Heidelberg
(Edition Zeno)
367 Seiten
ISBN 978-3-944512-28-0

Das Bersten

Erzählung
Manutius Verlag Heidelberg
(Edition Zeno)
267 Seiten
ISBN 978-3-944512-12-9