Die versiegelte Welt

Die versiegelte Welt

Meta-Roman

Ein vergangenes Jahrhundert ist wie eine beendete Beziehung. Das gilt vielleicht nicht in jeder Hinsicht, aber ganz gewiss in einer: Was gewesen ist und nun rasch in eine abgeschlossene Vergangenheit zurücksinkt, übt über das Gegenwärtige eine Macht aus, die es als Gegenwart nie besaß. Die Gegenwart duckt sich, erschrocken, unter dem Wüten dieser Kraft – nicht auffällig, nicht zu sehr, gerade ausreichend, um den erwünschten, ersehnten, erhofften aufrechten Gang ein weiteres Mal zu vertagen. Es geht weiter – wie denn sonst? Wohin denn sonst?

»Nevermore« krächzt der Rabe, »nie wirst du es vollenden, das Werk, darin liegt ja der Charme der Aufgabe, also streck die Waffen und bewege deinen Hintern in die befreite Zone der Gescheiterten, also derjenigen, die es zumindest versucht haben. Wenn du wenigstens sagen könntest, worum es geht, dann wären wir doch schon ein Stück weiter… Kannst du es denn?«

Kurz gesagt: Die versiegelte Welt erzählt die Geschichte eines Projekts. Die Geschichte hat einen Vorder- und mehrere Nebeneingänge, nicht allen Beteiligten ist sie zugänglich, geschweige denn geläufig. Aber in den Aufzeichnungen des Dozenten R wird sie wenigstens so weit greifbar, dass die Bezeichnung ›Fu-Projekt‹ eine gewisse Berechtigung erhält. Wer ist Fu? Ein Menschheitsfreund, wie die beiden letzten Jahrhunderte so viele kommen und gehen sahen. Und vielleicht nicht nur einer… Das Fu-Projekt, einmal aufgesetzt, soll der Realisierung seiner Ideen dienen. Warum, werden Sie fragen. Hat man sie nicht oft genug umzusetzen versucht und ist damit gescheitert? Eine nicht unberechtigte Frage. Und sie bewegt sich doch – die Welt, die Welt der Projekte und über allem die Welt der Wissenschaft. Sie bewegt sich mit dieser rasenden Langsamkeit, die manche Zeitgenossen als aufreizend empfinden. Wobei vor allem Konservative die Ungeduld plagt, während die Protagonistas des ›umfassendsten Experi­ments der Menschheitsgeschichte‹ peu à peu die ungeheuren Umwege schätzen gelernt haben, die sie zurücklegen müssen, um ihr Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren.

Natürlich steht R mit seinem Vorhaben nicht allein. Er ist, ehrlich gesagt, nur ein winziges Rädchen im Getriebe. R will keine neuen Einsichten in das Sexualleben seiner Mitwelt gewinnen. Er will es verändern. Let sex work. So steht es in den von der Universitätsleitung abgesegneten Papieren, und da steht es gut. Es atmet den Geist der Jahre, in denen die akademische Elite so dachte, die heutige folgt einer anderen Agenda. Näher betrachtet, sieht sie so anders nicht aus. In vielem dürfte sie sogar näher dran sein … doch ich möchte nicht vorgreifen. Wie jedes wahrhafte Projekt erliegt auch dieses irgendwann im Gang der Dinge. Es scheitert nicht an, sondern in der Realität – ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.

Die Realität ist das Experiment.

 

 

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