Wahlgesichter@rs

Die Scham … drücke auf die Schamtube und du bekommst, was du willst. Das ist nicht weiter verwunderlich, weil die ganze Schämerei keinen rationalen Grund besitzt, auf den man sich stellen und auf dem man sich abstützen kann … der G’schamige spürt keinen Grund, nur ein unbestimmtes Brennen, ein Flimmern, sobald es das Gehirn betritt, ein Gehirnflimmern, ja, das ist es, die Denkvorgänge werden reihenweise abgeschaltet, das ganze Wesen zieht sich, wie die Schnecke in ihr Gehäuse, in seine inneren Organe zurück und wird selbstbezüglich. Ich schäme mich – wie ich das anstelle? Keine Ahnung, es passiert mir, so wie mir das, dessen ich mich schäme, ebenfalls passiert ist, ich kann beim besten Willen nicht sagen wie. Beim besten Willen? Aber sicher, Er allein ist übriggeblieben vom Ich und er regiert unbedingt. »Mach mich ungeschehen«, flüstert die Tat, »mach mich ungesehen«, flüstert der Schämer, der Wille ist da und er bringt nichts weiter zustande als … Objekte kommender Scham, wenn der ernüchterte Verstand dazwischengetreten ist und das Angerichtete den Schambeflissenen erneut ins geistige Koma schickt. »Aber ich schäme mich doch so…« In einem Land zu leben, in dem eine auf schamlos getunte Clique von Geschäftemachern mit besten Beziehungen in die Spitzen der Regierung dem Volk Scham verordnet, ist ebenso ärgerlich wie drollig, immer abwechselnd, gelegentlich auch simultan. »Du trägst deine Mütze verkehrt herum, bist du sonst eigentlich richtig im Kopf?« Schon glüht die Birne und nichts, was in ihr vorgeht, geht seinen vorgesehenen Gang. »Man hat dich gesehen!« Ja sicher. Mein Gott, wie furchtbar! Wie konnte das geschehen? »Mit anderen!« Auch das noch. »Mit gewissen anderen!« Das ist schon so etwas wie ein Genickschuss. »Und mit der von dem hattest du auch etwas!« »Aber ich hatte die Maske auf!« »Davon wissen wir nichts. Bist du sicher? Warum hat man dich dann erkannt?» »Ich bin anders.« »Anders wie alle?« Da glüht das Schamferkel, rosig durch und durch, vor Scham und kann sich vor Empörung nicht fassen. »Fassen wir zusammen: Schämst du dich eigentlich nicht? Du bist eine Schande für alle und nun müssen wir alle uns für dich schämen. Du Schwein!« Das Schwein quiekt und weiß nicht, wohin sich verbergen. Sie lachen? Das Lachen bleibt Ihnen nicht im Halse…? Sie haben dort einen Span…? Ah, Sie schämen sich bereits für andere, gewissenhaft, wie Sie sind, Sie leisten Schamarbeit … Chapeau! Ich persönlich meistere die Scham mit links. Wie das geht? Sie sind gut. Ach, Sie wissen, wie’s geht? Sie machen den lieben langen Tag nichts anderes? Na dann nehmen wir doch einmal die Maske ab. Was sehen wir da? – Antifaaaaaaaaaaaaah!

0
0
0
s2smodern
powered by social2s

 

 

T - Die Stufen des Kapitols Das Bersten

T. Die Stufen des Kapitols

Ein politischer Roman
Manutius Verlag Heidelberg
(Edition Zeno)
367 Seiten
ISBN 978-3-944512-28-0

Das Bersten

Erzählung
Manutius Verlag Heidelberg
(Edition Zeno)
267 Seiten
ISBN 978-3-944512-12-9