Als die hohe Frau
von ihrem Stuhl her­ab­stieg,
begeg­nete sie
dem Zeichen des Halb­monds.
Auf ihre erstaunte Frage,
worum es sich dabei han­dle,
ergriff ein kleiner Dicker das Wort
und belehrte sie feix­end,
es bedeute ›Der Weg‹.

Huld­voll nahm sie die ver­schla­gene Auskunft ent­ge­gen,
gegen die sich Protest erhob,
dankte in fre­undlichen Sätzen,
die manches zum Aus­druck brachten,
anderes auss­parten,
und wählte
einen anderen.

Eine Hand­voll Genossen
stand bereit zum Geleit.
Ihre betrete­nen Mienen
sig­nal­isierten Hoff­nung.
Sie trat zu ihnen,
senkte den Mit­telfin­ger,
fis­chte das Wort aus dem Becken, das man ihr nachtrug,
und sprach: »Ihr seid die Näch­sten,
die ich liebe.«

Die Genossen erble­ichten. Doch rasch
fin­gen sie sich und riefen erbit­tert:
»So gle­ich
sind wir uns also geblieben?
Erkennt denn nie­mand
die totale Verän­derung,
die uns vor­wärts treibt,
einem Sturmwind gle­ich
aus Men­schenge­denken?«

Nie­mand trat vor.
Nie­mand bedankte sich
für die ergreifende Rede,
Nie­mand stellte die Fra­gen,
die gestellt wer­den mussten,
Nie­mand nahm sich der Flüchti­gen an,

Nie­mand schloss die Türen der Villen auf.
Nie­mand räumte die Kon­ten leer,
Nie­mand belagerte die Behör­den,
um denen zu geben, die gekom­men waren,
was sie am meis­ten brauchten: Gerechtigkeit.

›Herkun­ft­s­land‹ nennt man das Land,
dessen Zukunft ver­lassen wurde. ›Ankun­ft­s­land‹
nennt man das Land, über das sich Auskün­fte fan­den.
Das betretene
setzt den Kurs fort.

Nie­mand, greiser Part­ner,
ver­giss die Pfeife nicht,
nimm einen Zug aus der Flasche,
verkriech dich unter die Büsche,
schlage den Atem ab,
halte dich an die Brennesseln.


7.10.2015

erschienen in: Globkult

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