Die Gefahr

Nach dem ersten Atten­tat besteht die Auf­gabe darin, keine vor­eili­gen Schlüsse zu ziehen.
Nach dem zweiten Atten­tat geht es darum, die vor­eili­gen Schlüsse zu rev­i­dieren.
Nach dem zehn­ten Atten­tat geht es darum, die Zahl der möglichen Täter einzuschränken.
Nach dem hun­dert­sten Atten­tat geht es darum, keine weit­eren Atten­tate zu dulden.
Nach dem hun­dert­er­sten Atten­tat geht es darum, keine vor­eili­gen Schlüsse zu ziehen.

Woher kamen die Täter?
Wer hat sie herge­bracht?
Vor wem sind sie weg­ger­annt?
Wer hat sie los­geschickt?
Wer bezahlt ihre Waf­fen?
Wer gibt ihnen Anweisun­gen?
Wer betreut die Hin­terbliebe­nen?
Wer ist dieser Nie­mand und
wo schlägt sein Herz?
Für wen arbeitet sein Ver­stand?

Vor dem ersten Atten­tat bestand die Auf­gabe darin, Kämpfer auszu­bilden.
Vor dem zweiten Atten­tat bestand die Auf­gabe darin, Län­der zu erobern.
Vor dem zehn­ten Atten­tat bestand die Auf­gabe darin, den Kampf auszuweiten.
Vor dem hun­dert­sten Atten­tat bestand die Auf­gabe darin, den Bevölkerun­gen die Flucht zu ermöglichen.
Vor dem hun­dert­er­sten Atten­tat bestand die Auf­gabe darin, die Geflo­henen in ihre zer­bombten Län­der zurück­zuschicken.

Vor dem hun­dertzehn­ten Atten­tat erweist sich die Gefahr, die Auf­gabe zu ver­fehlen, als groß.

Das Man­dat

Die Abge­ord­nete findet kein Wort für die Schlach­topfer.
Die Abge­ord­nete will keine Schlüsse ziehen.
Die Abge­ord­nete findet Schlüsse gefährlich.
Die Abge­ord­nete findet, die Täter­gruppe sei in Gefahr.
Die Abge­ord­nete ist für das Leben zuständig, nicht für den Tod.
Die Abge­ord­nete ist grün, weil sie will, dass das Meer blau ist.
Das Meer färbt sich rot.


20.7.2016

erschienen in: Der Stand des Vergessens

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