Mar­itime Oper in 3 Auszügen

Anmerkung: Nach­ste­hen­des Libret­terl wurde für die anste­hende Bayreuther Auf­führung im copy&paste–Ver­fahren (und selb­stre­dend ohne fremde Hilfe) aus frei im Netz ver­füg­baren Textbausteinen zusam­mengeschus­tert. Erläuternde Hin­weise soll­ten allein dem Ver­fasser des Mach­werks zugeschrieben wer­den, der indes die Ver­ant­wor­tung von sich weist und vor­sor­glich dem Leser eine Art Urheber-​Mitschuld anheftet, denn: ohne Lek­türe ist der Text … na was wohl. (Anonymus)

A 1

Ein Segler nähert sich frem­dem Ges­tade. Offen­bar herrschen ver­trauliche Zustände an Bord. Der aufmerk­same Leser merkt es an Kleinigkeiten. Hier z. B. spricht der Kapitän:

Du siehst nichts?
Gelt, du wach­est brav, mein Bursch!
Dort liegt ein Schiff …
wie lange schliefst du schon?

Ken­nen Sie einen Kapitän, der so mit seinem Aus­guck spricht, es sei denn, er ist ihm ander­weitig ver­bun­den? Man weiß, dass sich auf See die erstaunlich­sten Allianzen ergeben. So erk­lärt sich auch die rasch hinge­sproch­ene Antwort des Ertappten:

Es scheint, sie sind gerad’
so faul als wir.

Immer­hin kommt es auf diese Weise, sozusagen von Rel­ing zu Rel­ing, zum schick­salss­chw­eren Tre­f­fen: Kom­man­dant auf Kom­man­dant. Hier findet unser Kapitän, des Wohlge­fal­l­ens seiner Mannschaft gewiss, sogle­ich die bedeu­ten­den Worte:

Mein Schiff ist fest,
es lei­det keinen Schaden.

Der andere, gefordert, ob er will oder nicht, nach dem uner­bit­tlichen Kodex der Meere, zieht… nach.

Wie wun­der­bar! Soll deinem Wort ich glauben? …
Um dir zu from­men, biet‘ ich, was ich kann:
doch darf ich fra­gen, was dein Schiff enthält?

Das ist die entschei­dende Frage. Wir kom­men zum zweiten Auszug.

A 2

Der zweite Auszug ist kurz und frag­men­tarisch. Er spielt übri­gens an Land. Der erste Kapitän schwört, offen­bar nicht zum ersten Mal, eine ver­schleierte Dame auf sich ein.

Die düstre Glut, die hier ich fühle bren­nen,
sollt‘ ich Unseliger sie Liebe nen­nen?
Ach nein! Die Sehn­sucht ist es nach dem Heil:
würd es durch solchen Engel mir zuteil!

Wirbt man so um eine junge Frau? Ganz sicher nicht. Entweder die Dame ist nicht mehr jung oder es geht hier um andere Dinge. So wie es aussieht, sowohl als auch:

Es flöhe schaud­ernd deine Jugend
dem Lose, dem du sie willst weih’n,
nennst du des Weibes schön­ste Tugend,
nennst ew’ge Treue du nicht dein!

Aber holla. Erstaunlicher noch fällt die Antwort der Dame aus:

Hier meine Hand! Und ohne Reu‘
bis in den Tod gelob‘ ich Treu‘!

Warum? Törichte Frage. Denn was sie ahnt, er hat es längst gestanden:

Tag des Gerichtes! Jüng­ster Tag!
Wann brichst du an in meiner Nacht?
Wann dröhnt er, der Ver­nich­tungss­chlag,
mit dem die Welt zusammenkracht?

A 3

Harte Jungs lieben raue Spiele. Kleine Orgie gefällig?

Segel ein! Anker fest!
Klipp‘ und Sturm lachen wir aus!
Steuer­mann, laß die Wacht!
Steuer­mann, her zu uns!

Das kann das andere Geschlecht so nicht ste­hen­lassen. Es pirscht sich heran.

Mein! Seht doch an! Sie tanzen gar!
Der Mäd­chen bedarf’s da nicht, fürwahr!

Die Sprache mag haus­backen klin­gen, aber das Ziel ist klar. Weniger klar ist der Hin­ter­grund der Auseinan­der­set­zung, die gle­ichzeitig im Haus ent­brennt. Ein naher Fre­und, teils Freier, teils Vater­figur (Parteifre­und? Koali­tion­spart­ner? Dekan?) stellt sich entschlossen der ver­schleierten Dame in den Weg:

Gerechter Gott! Kein Zweifel! Es ist wahr!
Welch unheil­volle Macht riß dich dahin?
Welche Gewalt ver­führte dich so schnell,
grausam zu brechen dieses treuste Herz!
Dein Vater — ha — Den Bräut’gam bracht‘ er mit…
Wohl kenn‘ ich ihn, mir ahnte, was geschieht!
Doch du … ist’s möglich! — reich­est deine Hand
dem Mann…

Die Antwort ist klas­sisch und ver­di­ent in die Geschichts­bücher aufgenom­men zu werden:

Nicht weiter! Schweig‘! Ich muß! ich muß!

Der Fre­und sieht das Ver­häng­nis und legt nach:

O des Gehor­sams, blind wie deine Tat!

Jetzt allerd­ings begeht er den entschei­den­den Fehler. Toll&patschig wie alle Män­ner seines Schlags lässt er die Katze zu früh aus dem Sack.

Gedenkst du, wie auf steilem Felsen­riffe
vom Ufer wir den Vater schei­den sah’n?
Er zog dahin auf weiß beschwingtem Schiffe,
und meinem Schutz ver­traute er dich an,
ja, meinem Schutz ver­traute er dich an.

Da kann unser Kapitän zur See mit Leichtigkeit dazwis­chen gehen.

Ich zweifl‘ an dir! Ich zweifl‘ an Gott!
Dahin, dahin, ist alle Treue!
Was du gelobtest, war dir Spott!

Die Sache bekommt Fahrt. Hier O-​Ton der Dame (nehmen wir an, in einem abhör­sicheren Raum):

Ha! Zweifelst du an meiner Treue?
Unsel’ger, was verblendet dich?
Halt‘ ein! Das Bünd­nis nicht bereue!
Was ich gelobte, halte ich!

Es war das Handy. Nein, den väter­lichen Fre­und wird sie auf diese Weise nicht los. Er weiß alles und den Rest kann er sich denken. Umso traulicher tönt sein Gesang.

Was hör‘ ich! Gott, was muß ich sehen?
Muß ich dem Ohr, dem Auge trau’n?
Mäd­chen! Willst du zugrunde gehen?
Zu mir! Du bist in Satans Klau’n!

Aber uner­schüt­ter­lich steht die Dame zu ihrem dun­klen Deal.

Das Ende deiner Qual ist da! – ich bin’s,
durch deren Treu‘ dein Heil du finden sollst!

Der Rest ist Büh­nen­tech­nik, ohne Belang sozusagen, muss aber durchge­zo­gen wer­den, weil sonst der Pöbel pfeift. Zunächst der Chor der heuch­lerischen Neider:

Helft ihr! Sie ist verloren!

Für einen kurzen Moment noch sehen wir den lächel­nden Anti­helden auf der Bühne, bevor der Boden kracht:

Du kennst mich nicht,
du ahnst nicht, wer ich bin!

Dann fällt das Dunkel, rascher als geahnt.


23.2.2011

erschienen in: Globkult

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