Als der alte Clown
sich ein vielle­icht let­ztes Mal schminkte, sich
die rote Knol­len­nase übers Gesicht
stülpte, die längst zu groß war,
da geschah’s, dass ihm etwas ein­fiel,
was er beinahe vergessen hatte, etwas, an dem er klebte,
so wie andere daran kleben, die
wie er das Sprechen vergessen hat­ten
oder vom Sprechen vergessen
wur­den, denn auch das Sprechen
kennt seine Leute und nimmt nicht jeden.

Der alte Clown dachte nach.
Dann sprach er es langsam und, wie er dachte,
gewichtig aus nach der Art des Hauses,
in dem er lebte und in dem er zu ster­ben gedachte.
Das Wort schien ihm deut­lich und über jeden Zweifel erhaben.

Er rech­nete mit dem Sturm. Er rech­nete mit der Tücke.
Selbst die List der Geschichte schien ihm nicht zu gemein
und er bedi­ente sich ihrer, denn dieses Wort
sollte ihn hin­aus­rücken über die Lager,
in denen er das Denken gel­ernt und wieder vergessen hatte,
denn alles ist endlich.

Man kann nicht sagen,
dass ein Sturm los­brach.
Nie­mand hielt
den Atem an.
Selb­stver­ständlich
war die Entrüs­tung.
Nur die üblichen Schreier
fan­den, er habe gut daran getan,
ihnen die Stich­worte gle­ich mitzuliefern,
schließlich waren auch sie grau gewor­den
und das Denken nie ihre Stärke.

Der alte Clown
steht im Sturm.
Keiner sieht den Sturm.
Alle sehen nur ihn.
Die große Geste
steht außer Bedacht.
Sie bietet nie­man­dem Schutz,
sie gebi­etet nie­man­dem Ein­halt.
Die große Geste
verdeckt, was sie zeigt.
Die große Geste
zeigt, was sie verdeckt.
Im Netz der Gemein­heit deutet sie auf
die großen Lin­ien, die der Zufall heute so wirft
und mor­gen so. Der Friede, Wort oder Unwort,
kommt und geht. Den Heuch­lern
ist jedes Macht­wort recht,
selbst das des Geständigen.


4.4.2012

erschienen in: Globkult

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