1

Als er fün­fzig war und noch gelenkig
und das Land gab ein­fach keine Ruh,
nahm er Rat an, sprach: »Das denk ich ganz per­sön­lich
auch und leg noch eins dazu.«
Und er plante seinen Coup.

2

Um den Wahnsinn endlich voll zu machen,
denn auch er, so hieß es, wurde langsam dreist,
hisst die Schöne Gute einen Drachen,
der Erfolg dem Wendi­gen ver­heißt,
falls er wendig um sich sel­ber kreist.

3

Denn das Land war völ­lig aus dem Häuschen,
gute Fre­unde gin­gen sich ans Hemd.
Altge­di­ente Pfeifer spiel­ten Mäuschen.
Erichs Katze, feist und fremd,
mustert den gelehrten Kämpfer, dem die Büchse klemmt.

4

Und sie ließ den Drachen, die Gepflegte,
baumeln überm Netz der Netze, das
ihr Adla­tus an die Kette legte.
Denn es förderte den Hass
über das erlaubte Maß.

5

»Seht die Falle!« riefen alle,
die sich noch Ver­stand bewahrten,
doch es warn, wie immer, wenn die Kralle
Ängstlichkeit ins Herz fährt, bloß die harten
Böcke, die sich um sie scharten.

6

Listig pflegt die Kluge Schöne,
kaum im Amt, die Amtsstatur.
Trug sich tapfer, mied die falschen Töne,
plante ihre Zukunft um die Uhr.
Und sie zückte die Kultur.

7

Trat da nicht ein Schat­ten aus der Wan­dung,
hell bek­lei­det, nicht sehr hell im Kopf,
früh ges­tartet, später harte Lan­dung.
Dichter, Denker, Nazi-​Tropf:
»Wenn ich Kul­tur höre, entsichere ich meinen Browning…«?

8

Als er sechzig war und noch gelenkig,
kein Gedanke an die let­zte Ruh,
und die Schöne Gute zog noch immer
Drachen auf im Lande Schu­biduh,
kam ein let­zter Auf­trag auf ihn zu:

9

Denn es war dem Staat bekannt,
dass im Land ein Kampf ent­brannt
für und wider die Kul­tur:
jeder ran­nte, der es kan­nte,
um sein Leben, fiel das Wort nur.

10

Auszumerzen die ver­has­ste
tilgte er die Schreiberkaste,
löscht mit smarter Helfer­hand,
was sich in den Büch­ern fand
und befand: Es blüht, das Land.


23.5.2017

erschienen in: Globkult

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