Mit den Siegern gehen stellt für die Men­schen eine ein­fache und bei denen, die sich weit­er­hin, meist weil sie ohne­hin keine andere Wahl haben, zur unter­lege­nen Seite beken­nen, extrem missliebige Weise dar, ver­loren gegan­ge­nes oder in der gegebe­nen Lage nicht abruf­bares soziales Kap­i­tal zurück­zugewin­nen. Dabei kann es zu kom­plexen Reak­tion­s­mustern und präg­nan­ten Ver­läufen kom­men — voraus­ge­setzt, die Sieger lassen den Seit­en­wech­sel über­haupt zu. Der Bevölkerungswis­senschaftler Mas­simo Livi Bacci, der die »demographis­che Katas­tro­phe« His­pan­io­las nach der ›Ent­deck­ung‹ durch Kolum­bus unter­sucht hat, ver­tritt die These, allein der auf­grund der von den spanis­chen Siedlern dik­tierten Lebensweise einge­tretene Fer­til­itätss­chwund reiche aus, um die Aus­löschung der Tainos bin­nen weniger Jahrzehnte zu erk­lären – auch ohne Immun­schwäche und Leyenda negra. Sklave­nar­beit in den Minen, Zer­störung der auf Herkom­men grün­den­den Ökonomie, famil­iäre Tren­nun­gen, erzwun­gene dauer­hafte Mobil­ität, forcierte Fraue­nar­beit und Frauen­raub fügen sich in seiner Darstel­lung zum Bild einer Gesellschaft zusam­men, deren Gliedern es nicht erlaubt war, ›mit den Siegern zu gehen‹. Damit löst sich Livi Bac­cis Argu­men­ta­tion von den durch ›nackte Gewalt‹, zügel­lose ökonomis­che Aus­beu­tung und willkür­lich Ausübung von Herrschaft geze­ich­neten Daten und umkreist jenes ›Min­i­mum‹ intak­ter Lebens­beziehun­gen, von dem auch die Lit­er­atur der Sklaven– und Ver­nich­tungslager des Zwanzig­sten Jahrhun­derts ex neg­a­tivo handelt.

Im Lauf der Jahrzehnte haben die in den Westen inte­gri­erten, ökonomisch und sozial extrem erfol­gre­ichen Ver­lier­erstaaten des Zweiten Weltkriegs kom­plizierte par­tizipa­torische Erin­nerungssys­teme aus­ge­bildet, an denen alle ›rel­e­van­ten‹ Grup­pierun­gen teil­haben, die Deu­tung­shoheit über das Geschehene beanspruchen. Aus­geschlossen von der Teil­habe blieben die Regimetäter und das recht­sradikale Spek­trum aus Per­so­nen und Organ­i­sa­tio­nen, die, aus welchen Motiven auch immer, sich ide­ol­o­gisch und poli­tisch in die Kon­ti­nu­ität der Nieder­lage stellen. Als rel­e­vant gel­ten Grup­pen, die von der durch die Nieder­lage bere­it­gestell­ten Möglichkeit der Frei­heit angemesse­nen Gebrauch gemacht haben: also die Gemen­ge­lage aus Regimeopfern und ›unbe­lasteter‹ Funk­tion­selite, aus Exilierten und Aktivis­ten des Wider­standes, Emi­granten und ihren Nachkom­men sowie Expo­nen­ten von Protest­be­we­gun­gen, soweit sie in die Demokratisierungs­geschichte des Lan­des einge­gan­gen sind. Das aus­tari­erte Gefüge wech­sel­seitig attestierten Respekts angesichts der einen Ver­gan­gen­heit aus diver­gen­ten Ver­gan­gen­heiten über­lagert und durch­dringt die ›klas­sis­che‹, vor dem Hin­ter­grund der Katas­tro­phe eigen­tüm­lich geschicht­s­los wirk­ende Rep­u­ta­tion­shier­ar­chie der Gesellschaft, in der ökonomis­che Kri­te­rien wie Herkunft, Einkom­men, Erfolg und ihren sym­bol­is­che Äquiv­a­lente im Bere­ich von Bil­dung, Intellekt und Geschmack zählen. Hier einige Merkmale:

– Erin­nerungskul­tur ist nicht gle­ich Gedenkkul­tur. Die insti­tu­tionell ›ver­ankerte‹ rit­uelle Gedenkkul­tur ist eine Angele­gen­heit des Staates oder staat­sna­her Insti­tu­tio­nen. Das gilt, solange die Legit­im­ität des Staates nicht durch beson­dere Umstände in Frage gestellt ist: inof­fizielle Gedenkhand­lun­gen sind immer auch Aus­druck von Vor­be­hal­ten gegenüber dem Staat bis hin zum sym­bol­is­chen Wider­stand. Die Anwe­sen­heit von Staatsvertretern bei nicht-​staatlichen Gedenkhand­lun­gen gesellschaftlich bedeut­samer Grup­pen zollt diesem Zusam­men­hang Respekt. Dage­gen ist die Erin­nerungskul­tur auf über­raschende, zumin­d­est vari­able und ›ungewöhn­liche‹ Äußerungs­for­men angewiesen, die unter bes­timmten aktuellen Gegeben­heiten ›ihren guten Sinn haben‹, also wirken sollen. Sie ist informell. Die Gesten des Erin­nerns fungieren nicht als Aus­druck der Legit­im­ität des Staates, son­dern – auf Zeit und unter lim­i­tieren­den Bedin­gun­gen – als legit­im­itätsver­lei­hende Akte: die innere Dis­tanz zum Staat und seinem Vor­rat an sym­bol­is­chen Hand­lun­gen ist ihnen inhärent.

– Erin­nerungskul­tur ist nicht gle­ich Medi­enöf­fentlichkeit. Erin­nerungskul­tur findet in den öffentlichen Medien statt, ihre Pflege ist ein Teil des medi­alen ›Geschäfts‹, aber die Akteure und Hand­lungstypen unter­schei­den sich in wesentlichen Aspek­ten. Was immer sie in Erin­nerung ruft, ist in den Grundzü­gen all­ge­mein bekannt. Jour­nal­is­tis­che Recherche und aktuelle Berichter­stat­tung berühren nicht den Kern der Dar­bi­etung. Darin ähnelt ihr Repräsen­ta­tion­styp dem der Poli­tik, die zwar mit Hilfe der Medien, aber nicht in den Medien ›gemacht‹ wird. Auch die Ver­mis­chung der Zonen und die wech­sel­seit­ige Funk­tion­al­isierung wirken ana­log. Der dis­tanzierende Fak­tor heißt im einen Fall — legit­imiert durch den Wäh­ler­auf­trag – Macht, im anderen Fall Authen­tiz­ität. Die ist in der Poli­tik zwar gefragt, aber ein knappes – und in der Regel verzicht­bares – Gut. Die Erin­nerungskul­tur kann das besser. Eine nicht unwesentliche unter ihren Auf­gaben besteht darin, der Gesellschaft in einem ›per­ma­nen­ten Prozess der Erneuerung‹ Quellen der Authen­tiz­ität zu erschließen und ihr die entsprechen­den Akteure zuzuführen. Ob sich die in der Unter­hal­tungsin­dus­trie oder im gehobe­nen kul­turellen Dien­stleis­tungssek­tor (Lit­er­atur, The­ater, Regiefilm, Biographik) finden, ist im Prinzip gle­ichgültig, auch die Aneig­nung der ›ern­sten‹ Stoffe durch Fernsehregis­seure und –schaus­pieler, Kri­tiker, Inter­essen­vertreter, Mod­er­a­toren und willkür­lich aus­gewählte Teil­nehmer an ein­schlägi­gen Gespräch­srun­den kann ohne weit­eres als authen­tis­che Erfahrung in das Dis­tri­b­u­tion­ssys­tem ›Erin­nerung‹ einge­speist wer­den. Authen­tiz­ität ist keine inhärente Qual­ität, son­dern die Qual­ität des Inhärenten: der überzeu­gen­den Demon­stra­tion von Erin­nerung im öffentlichen Raum.

– Die Träger der Erin­nerungskul­tur repräsen­tieren keine gesellschaftliche(n) Gruppe(n). In einem strik­ten Sinn von Authen­tiz­ität repräsen­tieren sie ihre indi­vidu­ellen Lebens­geschichten und damit sich selbst. Die Anmu­tung, die von einer solchen Selb­strepräsen­ta­tion aus­geht, entspricht in mancher Hin­sicht der­jeni­gen von Schaus­piel­ern, deren spez­i­fis­che Leis­tung dem Pub­likum und nicht den in ihm vertrete­nen Bevölkerungs­grup­pen gilt. Adres­sat der Erin­nerungskul­tur ist die ganze Gesellschaft oder ihr gemäß der Exk­lu­sion­sregel – siehe oben – zuge­lassener Teil. Diese Rep­u­ta­tion­s­ge­sellschaft ist eine ver­wirrende Größe, sie ähnelt in manchem der ›legit­i­men‹ Gesellschaft der ›herrschen­den Kreise‹ Bour­dieus, ohne über ihre Macht, ihren Ein­fluss und ihre ökonomis­che Potenz zu ver­fü­gen – in allen diesen Hin­sichten ist sie ein­fach ›Gesellschaft‹. Aktivis­ten und Pas­sivis­ten der Erin­nerungskul­tur tre­f­fen sich darin, dass ihr gesellschaftlicher Sta­tus nicht spez­i­fisch dif­feriert, wenn man von der Promi­nenz ein­mal absieht, die der öffentliche Auftritt unab­hängig von den Inhal­ten ver­leiht. Betra­chtet man Erin­nerungsak­tivis­mus unter dem Aspekt der Bil­dung sym­bol­is­chen Kap­i­tals, dann muten die Ergeb­nisse ähn­lich zwit­ter­haft an wie im Fall des pri­vaten Beziehungslebens. Die Beziehung zwis­chen Erin­nerungsträger und Gesellschaft fällt für ersteren umso unbe­friedi­gen­der aus, je mehr er in sie ›investiert‹ – was sich unschwer an den per­sön­lichen Ent­täuschun­gen, Ver­bit­terun­gen und Radikalisierun­gen able­sen lässt, die der­ar­ti­gen Lebensläufen nicht sel­ten eignen, während der­jenige, der sie zu plün­dern gedenkt, weit bessere Chan­cen besitzt, mit­tels sekundärer Effekte wie Ehrun­gen, Auf­bau eines per­sön­lichen Beziehungs­ge­flechtes etc. ›auf seine Kosten zu kom­men‹. Die Erin­nerungskul­tur ist weder elitär noch egal­itär, sie ist weder exk­lu­siv noch inklu­siv, sie ist ›partei­isch‹, ohne Partei zu sein. Sie ist funk­tionale Repräsen­ta­tion und Selb­strepräsen­ta­tion in einem: ein inte­gra­tives Ange­bot an alle, die es angeht, weil sie sich als Teil des Gemein­we­sens verstehen.

– Die Erin­nerungskul­tur ist eine auf dem Freund-​Feind-​Schema beruhende Teil­repräsen­ta­tion der ›Nation‹. Nicht alle Erin­nerun­gen sind gle­ich­w­er­tig – das gilt für die Schwere des Erlit­te­nen, für Ort, Umstände und Art des Lei­dens, für Grup­pen­zuge­hörigkeiten und Kon­se­quen­zen, für den Hero­is­mus des Wider­stands und schließlich für die Tat­sache des Lei­dens selbst. In dem Maße, in dem die Erin­nerungskul­tur den Grün­dungsmythos anderer, ›intak­ter‹ Natio­nen ver­tritt (amerikanis­che Unab­hängigkeit­serk­lärung, Bill of Rights, Franzö­sis­che Rev­o­lu­tion), bleibt sie auf das entset­zliche Geschehen aus­gerichtet, das der Neu­grün­dung des Gemein­we­sens vorang­ing, und damit auf die absolute Geg­n­er­schaft zu den Schuldigen und ihren Entschuldigern. Die legit­imierende Grund­form des Erin­nerns ist das Grauen. Eine detail­lierte Geschichte der Erin­nerungskul­tur kön­nte zeigen, wie durch die fortschre­i­t­ende Rück­wärts– und Vor­wärtsin­te­gra­tion höchst unter­schiedlicher ›Geschichten‹ die fast unlös­bar wirk­ende Auf­gabe gemeis­tert wurde, über mehr als ein halbes Jahrhun­dert hin­weg diese Grund­form zu erhal­ten – und damit die ursprüngliche Feind­schaft real und leb­bar zu gestal­ten –, während der sta­bile All­tag des Gemein­we­sens die Mar­gin­al­isierung des Gewe­se­nen (das ›Vergessen‹) und seiner freiwillig-​unbedarften Repräsen­tan­ten (der ›Ewiggestri­gen‹, wie die präg­nante Nachkriegs­formel lautete) begünstigte.

Der Erin­nerungskul­tur ist der Begriff der ›Nation‹ sus­pekt. Daraus folgt nicht, dass sie ihn ignori­ert oder nicht zulässt, im Gegen­teil: der im All­tag präsente Zusam­men­hang zwis­chen Ver­dacht und Kon­trolle, zwis­chen Kon­trolle und Beherrschung ist auch auf diesem Feld evi­dent. Das sus­pi­cium, der ›Arg­wohn‹, ist das Instru­ment, mit dessen Hilfe die Erin­nerungskul­tur die Rede von der Nation kon­trol­liert und dominiert. Unter dem Gesicht­spunkt authen­tis­cher Rede kön­nte es so ausse­hen, als han­dle es sich dabei um einen Neben­ef­fekt, über den man dieser oder jener Ansicht sein könne. Manches öffentliche Plä­doyer dafür, Erin­nerungskul­tur und nationale Rhetorik (oder ›Gemein­schaft­srede‹) voneinan­der zu tren­nen, um ›endlich‹ ein ›unverkrampftes Ver­hält­nis‹ zur Nation zu bezeu­gen, huldigt diesem Missver­ständ­nis. Es fiele schwer, die Funk­tion (oder Funk­tions­bre­ite) der Erin­nerungskul­tur zu bes­tim­men, ohne den Begriff der Nation ins Spiel zu brin­gen. Man ver­stünde bere­its die außergewöhn­liche Anstren­gung nicht – oder nur in ver­stell­ter Form –, von der die Rede ist, wenn sie als sin­guläre Leis­tung der Deutschen gepriesen wird, wobei man die analo­gen, aber anderen kul­turellen Stilen verpflichteten Leis­tun­gen anderer Natio­nen leicht als ger­ingfügig abtut. Dieser Stolz darauf, die Bürde geschul­tert zu haben, Deutscher zu sein – im Verein mit dem Bannstrahl gegen alle, die in aufreizen­der und nur teil­weise gültiger Sym­me­trie den ›Stolz, Deutsche zu sein‹ reklamieren – gibt mehr als anderes Auskunft in dieser Sache. Nicht die Nation gilt es unter Kon­trolle zu hal­ten – ein angesichts der Nachkriegs­geschichte eher don­qui­chotteskes Motiv –, son­dern das mit jener Bürde untrennbar ver­bun­dene Entset­zen. Die über Nacht ihrer Erin­nerungskul­tur ledi­gen Deutschen wären ver­mut­lich keine ›Nation unter Natio­nen‹, son­dern die gesicht­slose Pop­u­la­tion eines Wirtschafts­stan­dortes, angesichts dessen alle Arten von Assozi­a­tio­nen erlaubt und ›im Recht‹ wären – eine gele­gentlich in der Lit­er­atur anzutr­e­f­fende schwarze Vision.

Die Rede von der Nation hat in West­deutsch­land, dessen Entwick­lung hier zu Grunde gelegt wird, weil sie die gel­tenden Para­me­ter besetzt, eine Reihe von Wand­lun­gen erfahren, die den von der Erin­nerungskul­tur durch­laufe­nen Sta­dien kor­re­lieren. Ihre neg­a­tive Beset­zung im Schat­ten der Stu­den­ten­re­volte und anderer Entwick­lun­gen erscheint im Nach­hinein nicht zwin­gend. Der von Willy Brandt propagierte Patri­o­tismus der ›Bürger‹, der his­torische Ver­such, das franzö­sis­che Mod­ell des Citoyen mit dem Gedenken an die 1848 niveau­voll gescheit­erte deutsche Frei­heits­be­we­gung im sozial­lib­eralen ›Kon­sens‹ zu verbinden, setzt wie bere­its das Grundge­setz einen pos­i­tiven Begriff der Nation voraus. Es ist nicht nötig, dass der Mythos der Nation alle Bevölkerung­steile zufrieden­stellt; es genügt, wenn er sie ten­den­ziell eint. Alle Nation­be­griffe sind kämpferisch und nehmen jene manichäis­che Zweit­eilung vor, in der kein Zweifel daran gelassen wird, welche Tra­di­tion – und welcher Bevölkerung­steil — als siegre­ich bzw. als unter­legen ange­se­hen wird. Innen­poli­tisch steht der Kniefall von Warschau in einer beschei­de­nen Reihe ›auf­se­hen­erre­gen­der‹ Ver­suche, mit den Mit­teln der Gedenkkul­tur der Bürg­er­na­tion die Scham und das Entset­zen, wie man sie in jenen Jahren emp­fand und artikulierte, rit­uell ›einzuhe­gen‹. Die Erin­nerungskul­tur machte daraus etwas anderes: die über­lebens­große Geste des ehe­ma­li­gen Exilpoli­tik­ers, der zwar das ›andere Deutsch­land‹ repräsen­tierte, aber weder die eine noch die am Ende siegre­iche Nation. Der Sieg blieb eine Angele­gen­heit der Siegermächte, die Nieder­lage des nation­al­sozial­is­tis­chen ›Reichs‹ ver­wan­delte sich defin­i­tiv in die Nieder­lage der Nation — eine Deu­tung, die angesichts der unaufheb­bar scheinen­den innerdeutschen Grenze eine gewisse Plau­si­bil­ität für sich ver­buchen kon­nte. Dabei ist es aller staat­stra­gen­den Gedenkkul­tur zum Trotz bis 1989 geblieben.

Die his­torische Funk­tion der Erin­nerungskul­tur besteht darin, das durch Wieder­auf­bau und Wirtschaftswun­der hin­durch von weiten Kreisen der Bevölkerung weit­er­ge­tra­gene, nicht abzuschüt­tel­nde Bewusst­sein der Nieder­lage irgend­wie zum Ver­schwinden zu brin­gen. Die ange­wandten Ver­fahren – Iden­ti­fika­tion mit den Opfern, Äch­tung bes­timmter Ele­mente der offiziellen Gedenksprache, zeitweise Aus­blendung ›eigener‹ (?) Erin­nerun­gen an Härten der Kriegs– und Besatzungszeit aus dem Opfer­diskurs, Rit­u­al­isierung der Rede von ›den Deutschen‹ als Trägern des nation­al­sozial­is­tis­chen Ver­nichungswil­lens bei kollek­tiver Ablehnung der Kollek­tivschuldthese etc. – sind bekannt. Sie delegieren den Kon­flikt der Deu­tun­gen an die Nation, die, ebenso unab­weis­bar wie die Nieder­lage, ebenso hässlich wie die Schuld und ebenso gegen­wär­tig wie der Wille, zu den Siegern der Geschichte zu gehören, den Vorteil der Ohn­macht bietet, gle­ichgültig, ob man die Teilung des Lan­des oder der eige­nen Bevölkerung nach Licht und Dunkel misst. Der Erin­nerungs­diskurs eröffnet die Aus­sicht auf eine Rep­u­ta­tion, die jen­seits der Felder per­sön­licher Tüchtigkeit und der ›bloß ökonomis­chen‹ Potenz des Lan­des liegt, aber auf erstaunliche Weise bei­des reflek­tiert. Er ist einer Kon­stel­la­tion geschuldet, keiner Gen­er­a­tion: in ihm finden sich die jün­gere Front­gen­er­a­tion, die Kinder der Bomben­nächte und der mehr oder weniger schuldigen, mehr oder weniger trau­ma­tisierten Kriegsheimkehrer zusam­men, um die ›Mei­n­ungs­führerschaft‹ im Lande zu übernehmen.

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