nach Charles Baudelaire

I

Eine Idee, ein Wesen, eine Form,
dem Blau entstürzt und nun gefan­gen
in einem Styx aus Schlamm, ver­hangen,
dass nie ein Blick von droben sie erre­icht

ein Engel, sich ins Weite schwin­gend,
der unbe­dacht, verzück­ter Tor,
sich an das Form­lose ver­lor,
am Grunde eines Alb­traums rin­gend

gle­ich einem Schwim­mer, angstver­waist
im Kampf mit eines Mal­stroms Schrecken,
der sin­gend, wie ein Schwarm von Jecken,
und riesen­haft im Dunkeln kreist

des Unglück­lichen, fest­ge­bannt
licht­los in einem Raum voll Schlangen,
verge­blich fin­gern­des Ver­lan­gen
nach einem Schal­ter in der Wand

ein Hoff­nungsloser, nieder­steigend
in einen Abgrund ohne Hal­ten,
bedrängt von mod­ri­gen Gewal­ten
auf Trep­pen, in die Tiefe zeigend

wo glitschig-​ekle Mon­ster kauern,
aus Phos­pho­rau­gen, deren Schein
die Nacht nur schwärzer färbt, allein
sich selbst erhel­lend, lauern

ein Schiff, am Pol gefan­gen wie
in einer Falle aus Kristall,
dem Ursprung seiner Häftlingsqual
nach­forschend mit erprobter Akri­bie -

Sinnbilder ohne Trug, bed­ingt
von einem heil­losen Geschick,
dem Denken aufgegebenes Glück
des Teufels, dessen Werk seit je gelingt.

II

Ein finster-​helles Tête-​à-​tête,
in dem das Herz sich selbst bespiegelt,
schwarz-​klarer Quell, in dem, entsiegelt,
ein trüber Stern erschim­mernd steht.

Irrfeuer, tück­isch, infer­nal,
die Fackel Satans, dessen Gunst
uns Lin­derung ver­heißt und wahre Kunst
- La con­science dans le Mal.

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