nach Jorge Luis Borges

Die erste der Meta­phern ist der Fluss,
das große Wasser. Der lebendige
Kristall, der die geliebten Wun­der schützt,
die dem Islam einst ange­hörten und heut
dein und mein sind. Der allmächtige
Tal­is­man, der auch ein Sklave ist, der Geist,
vom Siegel Salomons in ein Gefäß
aus Kupfer einges­perrt, jenes Königs Schwur,
der seine Köni­gin für eine Nacht
dem Richtschw­ert übergibt, alleiniger Mond,
die Hände, die mit Asche sich gewaschen,
die Reisen Sind­bads, des Odysseus, den
die Lust auf Aben­teuer trieb und keine
strafenden Göt­ter, die Lampe, die
ver­ständi­gen Zeichen, die Rodrigo Spaniens
Eroberung durch die Araber verkün­den,
der Affe, dessen Schachspiel offen­bart,
dass er ein Men­sch ist, König Aus­satz,
die großen Karawa­nen, der Mag­net­berg,
an dem das Schiff zer­schellt, der Sche­ich
und die Gazelle, ein flüs­siger Kreis
aus For­men, die wie Wolken sich verän­dern,
dem Schick­sal unter­wor­fen oder
dem Zufall, was das­selbe ist, der Bet­tler,
der auch ein Engel sein kann und die Höhle,
die Sesam heißt.
Die zweite der Meta­phern ist der Plan
von einem Tep­pich, dessen Anblick nichts
als ein Gewirr von Lin­ien und Far­ben zeigt,
zufäl­lig, schwindelnd, ohne Har­monie, jedoch
regiert von einer unsicht­baren Ord­nung.
Ganz wie der andere Traum, das Uni­ver­sum,
beruht das Buch der Nächte auf
magis­chen Zahlen und geprägten For­men:
die sieben Brüder und die sieben Reisen,
die drei Kadis und die drei Wün­sche
von dem, der staunend sah die Nacht der Nächte,
das schwarze Haar der Geliebten,
in dem drei Nächte eins sind,
die drei Wesire und der Strafen drei,
und über allen anderen die erste
und let­zte Zahl des Herrn: die Eins.
Die dritte der Meta­phern ist ein Traum,
vor den Por­talen des ver­hüll­ten Ori­ents
geträumt von Moslems und von Persern, oder
in Gärten, die zu Staub zer­fallen sind,
ein Traum, den Men­schen träu­men wer­den bis
ans Ende ihrer Tage.
Wie im Para­doxon des Eleaten
löst sich der Traum in einen andern Traum,
wie der in einem andern und in anderen, unnütz
ver­spon­nen in ein eitles Labyrinth.
Das Buch im Buch: ohne zu wis­sen, was sie tut,
erzählt die Köni­gin dem König ihrer bei­der
vergessene Geschichte. Fort­geris­sen
vom Aufruhr längst ver­gan­gener Zauberei
träu­men sie weiter, unwis­send, wer sie sind.
Die vierte der Meta­phern ist die Karte
von dieser unbes­timmten Region, der Zeit,
wie sie die weit­er­rück­enden Schat­ten messen
und der allmäh­liche Ver­fall des Mar­mors
sowie die Abfolge der Gen­er­a­tio­nen.
Alles. Die Stimme und das Echo, was die bei­den
Gesichter sehen, die das Dop­pelantlitz eint,
Wel­ten aus Sil­ber und aus rotem Gold,
die lange Wacht der Sterne. Nie­mand,
sagen die Araber, ver­mag das Buch
der Nächte auszule­sen. Die Nächte sind die Zeit,
die niemals schläft. Sie liest und liest,
indes der Tag stirbt und Scheherazade
sich anschickt, dir deine Geschichte zu erzählen.

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