nach Walt Whitman

1

In Kajütschiffen auf See,
das Endlosblau nach überallhin sich weitend,
bei Windespfeifen und Wogengebraus (die langen mächtigen
                                                                          Wogen!) – dort
oder auf einer einsamen Bark, schaukelnd im Wellengang,
wenn sie voll Mut und Lust die weißen Segel spreizt,
in Tages-Gischt und Schaum den Äther teilt, oder unter vielerlei
                                                                          Sternen bei Nacht,
will ich gelesen sein: vom Schiffsvolk, jung und alt, ein Stück
                                                                   Erinnerung ans Land,
und voller Einklang dann.

 

2

Hier stehn unsre Gedanken, Reisegedanken.
Nicht bloß das feste Land erscheint uns hier.
Der Himmel wölbt sich hier, das Deck schwankt unter unsern Füßen,
man spürt den langen Pulsschlag, Flut und Ebbe, Wechsel ohne Ende.
Die Laute ohne Herkunft, der ungewisse Trug der Salzwelt, der leichte
                                                                                                   Silbenfluss,

der herbe Duft, das Knarren, sanft, der Takelage, der trübe Rhythmus,
der Ausblick grenzenlos und weit und blass der Horizont: all das steht hier –
dies ist das Lied vom Meer.

 

3

Dann zaudre nicht, mein Buch, gib deinem Schicksal Raum.
Du nicht Gedenken bloß ans ferne Land.
Einsame Bark auch du, den Äther teilend, welchen Zielen zu?
Ich weiß es nicht … doch ohne Scheu,
gleich allen andern Seglern segle du!
Trag ihnen, eingefaltet, meine Liebe zu (euch, Seefahrer, falt ich sie ein
                                                                                                 in jedes Blatt),
fahr fort, mein Buch! Zieh, meine kleine Bark, die weißen Segel auf,
                                                   nimm Kurs auf die machtvollen Wogen,
sing, segle, trag durch das Maßlosblau hinaus an alle Gestade
dies Lied, das gemacht ist für Seefahrer und ihre Schiffe.

 

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