Noch immer. Ste­hende Wen­dung. Ste­hende Zeit. Ste­hen geblieben. Zeit, sich zu duschen, anzuzie– hen, zu schminken, zu früh­stücken, den frisch erwor­be­nen Com­puter anzuw­er­fen und Briefe zu schreiben – ich ziehe einen Strich, einen lan­gen, dün­nen, einen Rasierklin­gen­strich. Das ist ein Instru­ment, das ich nie ohne Grauen anse­hen kann, Michael lässt seine offen im Bad herum­liegen, eine Unart, wie manches. Über das zu berichten wäre, kein Zweifel, aber wem, warum? Mir nicht, und dir? Wer bist du, hörst du mir zu, liest du, was ich hier schreibe? Bist du das Papier, das der Drucker dort einzieht, walkt und wieder entlässt, als sei nichts geschehen außer dem Wun­der der Beschrif­tung, dem Mirakel der Schrift, das ver­lässliche, das entset­zlich ver­lässliche, das alle ein­fängt, Anal­pha­beten abgerech­net, die aus­ges­perrt bleiben, auf den Käfig star­ren, aus dem keiner her­auskommt, nicht ein­mal die alten Leute, denen alles ver­schwimmt. Schreibe ich auf Papier? Im Moment nicht, der Moment kön­nte dauern. Was ich sehe, gefällt mir.

Ich möchte nicht berichten, ich möchte schreiben. In den Tas­ten wühlen, es auf den Anschlag­punkt brin­gen. Du fehlst mir, darüber gleiten wir weg. Michael? Ein Trot­tel, ich wusste es. Schlimm? Er ist ein Zeiger, der gle­ich von einem Anschlag zum andern springt. Er kennt kein Dazwis­chen, die Skala, er lässt sie aus. Nimmt sie nicht an. Ger­ade ahnte er nichts, jetzt weiß er alles. Er hat ver­ste­hen gel­ernt, von der Pike. Wo lernt man sowas? Ich kenne die Hermeneuten, ern­sthafte Stüm­per. Hätte ich das hier geahnt, ich hätte Zah­n­medi­zin studiert. Jeden Tag staune ich mehr.

Vielle­icht auch weniger. Was ich weiß, fügt sich nicht, das wusste ich längst. ›I am not a demigod, I can­not make it cohere.‹ Er kann, für ihn hängt auch dieser Satz unver­rück­bar mit anderen zusam­men. Denken heißt für ihn sch­aben, den Schmutz ent­fer­nen, ein Prä­para­tor. Seine Fin­ger sind flink, stu­pend, kaum sieht man sie am Werk, ist es auch schon getan. Oder geschehn. Auch um den Gedanken ist es geschehn, den langsamen, der noch kom­men wollte, der lieber verzichtet. Der Platz macht. Ihn dem anderen über­lässt, der aber die Lücke nicht spürt, raum­fordernd, ja, aber durch Anwe­sen­heit. Ein­fach durch Anwe­sen­heit. Keine Aggres­sion, nicht im ger­ing­sten. Nicht um ein But­ter­brot oder ein Crois­sant oder ein Messer, das falsch liegt oder um ein Buch, das verkehrt im Regal steht. Lächel­ndes Sein. Es ist schwer, das zu beschreiben, ich leide nicht fraulich. Ich leide über­haupt nicht. Ich staune, staune mit offenem Mund, mit offenem Auge, mit offener Wunde. Woher auch immer sie stammt, von ihm nicht. Nichts an mir stammt von ihm. Und von mir kommt nichts in ihn hinein. Sollte man meinen, aber das wäre ger­aten. So enthalte ich mich.

Das Kind. Niet­zsches spie­len­des Kind. Es macht lei­den, aber es lei­det nicht. Es macht das Lei­den unsicht­bar, unhör­bar, unmerk­lich. In seiner Umge­bung Leid? Unvorstell­bar. Ein helles, klares Köpfchen, so stellt es sich dar. Offen: ja. Geschlossen: ja. Ein Kreis­lauf. Alles führt man ihm zu: die Welt ist her­rlich. Was es auss­chei­det, ist unge­nießbar, nie­mand achtet darauf. Gib ihm ein Stich­wort: es kräht. Mit sonorer Stimme, aber es kräht. Das Kind fordert alles, denn es fordert nichts. Es ver­langt nach allem, aber es trägt nichts, es trägt kein Ver­lan­gen. Ein Kind, alter­s­los. Ein Kind seiner Eltern, eltern­los. Der Vater ist ihm pein­lich, Mut­ter hat Schonzeit. Ganzjährig. Das Fam­i­liengedächt­nis block­iert. Im Neckar schwim­men tote Fis­che zuhauf. Queck­sil­bervergif­tung und mehr, man kön­nte die Gräten mit einem Ruck her­ausziehen. Darauf verzichten wir, dafür sind wir nicht ange­treten. Wir sind uns selbst genug. Kreisen lassen, das ist die Kunst. Sich nicht hinein­reißen lassen in den Wirbel, den einer macht. Oder eine, das ist egal. Auch Schwach­sein stößt ins Leere, man kann es lassen.

Du liebst diese Stim­mungen nicht an mir, du fühlst dich aus­ges­perrt. Wir haben nie darüber gesprochen, ich musste dich nur anschauen. Das amüsiert mich, es gelingt dir nicht, den Kopf wegzu­drehen, auch nur deine Augen von mir zu lassen. Wie Saugnäpfe hän­gen sie an mir, ich bekomme rote Flecken davon. Vielle­icht auch vor Wut, vor Ärger, aber Grimm ist nicht darunter, niemals, ich ver­sprechs dir. Grimm kenne ich nicht, man hat vergessen, ihn mir zu injizieren, als dazu Zeit war. Jetzt injiziere ich; ich kenne meine Schwächen. Der Wun­sch, mich zu rächen, ist nicht darunter, eher gehe ich weg. Ich laufe nicht weg, ich gehe. Das ist ein Unter­schied, es ist der Unter­schied, wenn du mich fragst. Wer nur denkt, für den ist alles eins. Wer nie denkt, dem fällt alles auseinan­der. Auch das ein Gedanke, für Unaufgeweckte. Fort­ge­hen, darin liegt es. Im Fort­gang der Geschichte erfahren wir… ja was? Die Geschichte. Sie war nur für dich bes­timmt, deshalb erfährt sie auch keiner. Keiner als du, nehme ich an, sieh zu, vielle­icht stehst du ja Schlange. Ein­mal, es war Herbst und die Blät­ter flo­gen an meinem Fen­ster vor­bei, sah ich die Fotografie einer japanis­chen Stu­dentin, die sich dauervögeln ließ, um die weib­liche Aus­dauer in diesem Punkt zu erforschen, die Reihe der Män­ner, die ein­mal drankom­men woll­ten, erin­nerte an ein Wahllokal einst im Mai, sie hat­ten keine Wahl, sie standen in Reih und Glied. Sieh zu, wo du zu ste­hen kommst, bei mir herrscht immer Andrang. Weniger von draußen, das müsste ich merken, nur manch­mal wird’s heftig, aber wenn du fühlen möcht­est… deine Fin­gerkup­pen, sie sind doch voll Gefühl, voll Mit­ge­fühl, oder täusche ich mich da?

Der Strich, der Rasier­messer­strich, noch immer steht er quer über dem, was ich schreibe. Er beun­ruhigt mich nicht, im Gegen­teil, ich hätte ihn eher ziehen sollen, so, abgeteilt, beginnt etwas, das man aufziehen kön­nte, auf Pappe vielle­icht. Aufge­zo­gen macht es sich gut, schön straff, eine Augen­weide. Nur nicht gehen lassen. Mein Auge hinkt, es geht nach. Ger­ade las ich: ›Der Geschlechterkrieg ist die Real­ität unserer Epoche.‹ Das amüsiert mich, man müsste es aus­führen. Wie lang so eine Epoche dauert? Bei mir fing das spät an, eigentlich gar nicht, die anderen waren mir um Län­gen voraus. Falsches Bewusst­sein? Davon habe ich, bis an mein Lebensende – genug. Ich bin ein Quell falschen Bewusst­seins, es strömt mir zu, es strömt von mir weg, ich kön­nte es austeilen, aber die Nach­frage scheint ger­ing. Sie haben schon, die guten. Dann gucken sie durch die Ritzen zwis­chen den Fin­gern und sehen: Real­ität. Da kann man schon zusam­men­fahren, wenn man die sieht. Oder zusam­men weg­fahren, Stu­den­ten­liebe, auf den Pauk­bo­den, unter Pal­men, zum Sich-​Messen.

Nur nicht nachgeben. Nachgeben ruiniert alles. Das beginnt beim Tag. Wo es endet? Unab­se­hbar, es ist der Abfall. Ich bin eine Frau, sie ver­lan­gen das von mir: ver­min­dertes Selb­st­be­wusst­sein? Woher nehmen? Aus der Zeitung? Fernse­hen verdirbt die Augen, den Luxus leiste ich mir. Michael auch, eine Gemein­samkeit. Was sie wiegt, wer weiß. Sie kommt mir leicht vor, ein Schwe­begewicht. Ich fühle mich schwer, vielle­icht sollte ich etwas nehmen. Die Ein­schüchterung wirkt, aber anders als gedacht. Anders als gedacht. Wer das ver­steht? Aus­brechen aus der Gemein­schaft der Weiber, dem Kollek­tiv, das gemein­sam singt, lacht und flennt, zwis­chen vier Wän­den, damit es die andere nicht sieht, dem einge­bilde­ten Kollek­tiv, dem Kollek­tiv aus Ein­bil­dung, fes­ter, tief gegrün­de­ter Ein­bil­dung, die darauf wartet, freie Bahn zu bekom­men. Warten, dass etwas geschieht. Wer mich ent­bindet, bekommt einen Groschen. Weg da, jetzt komme ich. Nein, das ist nicht richtig, es kommt aus mir, es kommt mir. Wie sich die Aus­drücke gle­ichen. Einer für drei, vier, alle Gele­gen­heiten. Einer für alle. Oder zwei. Oder drei. Fin­ger­spiele. So ein Aus­druck, er deckt. Auf und zu, auf und zu. Auch ab, wie die Leute sagen. Also: auf und ab. Oder ab und an.

Ich war nicht gewillt, ich war dage­gen. Auch jetzt bin ich nicht dafür, du kannst mich fra­gen. Meine Fin­ger sind nicht blutig, ich bekomme auch keine roten Flecken im Gesicht oder da, wo es eh keiner sieht. Eher bin ich ein Fleck, einer, der sich aus­bre­itet. Das sind Unter­schiede, die nie­man­den küm­mern, an ihnen entschei­det sichs.

Man hat das gele­sen, nehme ich an. Ich sollte nichts auf­schreiben. Zurück­nehmen, was da steht, es wieder zurück­nehmen, an mich nehmen, an mich zurück­geben. Es kam doch von mir, oder? Ich habe es abgeson­dert, von links nach rechts, wie im wirk­lichen Leben. Du warst nicht da, ich musste es schreiben. Ich hätte mich her­aus­putzen kön­nen stattdessen, eine Form der Erwartung gegen die andere. Wenn ich ins The­ater gehe, den Schaus­piel­ern zuhöre, erstaunt mich der Aus­druck ihrer Gesichter: sie sind Ergebene, vor allem die Frauen, sie spie­len keine Rollen, sie spie­len mit ihren Rollen – wie Katzen mit einem Wol­lknäuel, geht es mir durch den Kopf, wenn Petra summt. Es sind alles Petras, wo stecken die anderen? Wer stellt die ein, wer bildet sie aus? Woher dieser unge­heure Bedarf an Petras? Elec­tra plus Pet­ri­fizierung: Frauen­macht, einge­bildet, einge­bilde­ter denn je, das macht die Verun­sicherung, an der alle teil­haben. Frauen und Män­ner. Für mich beginnt es bei Michael, über den seine das Zepter schwingt. Die Mut­ter, wer sonst. Ich bin nicht verun­sichert, ich habe teil, stille Teil­haberin, vielle­icht, das Geschäft ist ruinös, ich weiß, aber ich kann mir nicht helfen, mein Kap­i­tal steckt da drin, ich sehe zu, wie es schmilzt. Sieh zu! Sieh doch zu.

Eine far­blose Schicht, wer trug sie auf? Es ist nicht das Ungenü­gen, das Ungenü­gen am anderen, auch nicht an sich. Es ist die Schicht, eine Schicht zuviel. Wenn ich mir nicht zu helfen weiß, wer hilft mir dann? Wenn mir der Atem stockt, unver­mit­telt, was geschieht da? Ich laufe nicht weg, ich gehe herum. Auf meinen Wegen begeg­net mir dies und das, es sum­miert sich nicht, es fällt mich nicht an, es fällt mir nicht ein­mal auf. Nichts fällt mir auf, das ist auf­fäl­lig. Lesen hilft nicht, es betoniert. Ich bin entsch­ieden, aber davon habe ich nichts. Entsch­ieden, unentsch­ieden, zwei Wörter für dieselbe Sache. Aber was ist die Sache? Ich sehe den Tun­nel, die Veren­gung, ich gehe nicht hinein. Ich bin schon drin, aber ich gehe nicht hinein. Was ist das, eine Beziehung? In welcher Beziehung? Ich habe mich nicht durchgestrichen, ich wehre nicht ab. Die Abwehr ist außer mir, vielle­icht außer sich, denn sie funk­tion­iert nicht. Aber sie schlägt mir ent­ge­gen. Es ist nicht Michael, es sind seine Eltern. Es sind nicht seine Eltern, das müsste ich wis­sen. So ein­fach geht das Spiel nicht. Es ist das Flu­idum, etwas dazwis­chen, das alle durch­dringt. Es ist nicht das Geschlecht, es ist der Wider­wille gegen das Mor­gen. Gegen die Wieder­hol­ung im Mor­gen, gegen die Wieder­hol­ung. Nichts soll sich wieder­holen, nichts. Wer so denkt, der bekommt nichts, es sei denn, er holt sichs. Und da sind andere vor.

Ein Kind bekommt man so nicht. Wie sollte das gehen, wo alles sich sperrt. Das wun­der­bar gesalbte, das rosige Kind – Wer­bung, Hochglanz, wer sollte dem glauben? Wirk­lich ist die Veren­gung: die Zeit fließt rascher, man hört sie rauschen, gle­ich stoßen andere Kanäle dazu, hin­ter der großen Biegung geht’s in die Tiefe. Ich werde mein Kind in Emp­fang nehmen, gebrand­markt für immer. O die Gefühle. Oho. Lass dich nicht ablenken, du bist auf der Spur. Du bist im Märchen, du riechst den Braten. Oder er dich, es versengt dein Gesicht. Dieser leichte Alko­holdunst, der nicht weggeht, wo kommt der her? Der Herr ist guten Wil­lens, etwas zer­mürbt ihn. Ich seh es ihm an. Aber was? Was, um Him­mels willen, zer­mürbt uns? Ich will nicht die Welt ret­ten, ich will mein Kind. Jetzt ist es her­aus. Ein Un-​Satz, tausend­fach erprobt. Die Welt lässt sich nicht ret­ten, sie greift nach – uns?

Ist es Eifer­sucht? Ist es Zweifel? Das erste Kind einer Ehe, lese ich, stammt mit hoher Wahrschein­lichkeit von einem anderen. Das let­zte auch. Aber wir sind nicht ver­heiratet. Michael nicht und ich nicht. Jeden­falls nicht mehr. Die Sta­tis­tik bet­rifft uns nicht. Auch ihre Aus­deu­tung trifft uns nicht: die Frau als Samm­lerin, die die besten Gene aus ihrer Umge­bung ein­fängt. Wo leben wir denn? Welche Gehirne denken sich so etwas aus? Gen­samm­lerin, das müsste ich wis­sen. Gebückt, die Schürze vorge­hal­ten, sucht sie das Feld ab. Oder das Dic­kicht. Ihr Blick ist klar, er sieht durch die Krume. Durch­schaut sie. Ein Griff und das Gen liegt frei. Tre­f­fer. Weiter.

Ich habe kein Innen, ich bin ein Innen. Der Unter­schied scheint mir wichtig. Ich reibe mich nicht an dem, was mich umgibt, es fällt in mich hinein. Da ist keine Grenze, wozu? Selb­stschutz? Das wäre gut, das kön­nte ich brauchen. So ein Schuss Selb­stschutz, jeden Mor­gen neu injiziert, reicht für den Tag. Darüber denken wir nach, ich versprech’s. Wenn das hier abgeschlossen ist, komme ich zu dir. Ich weiß, ich werde dich finden. Das ist keine Dro­hung, wenn du das meinst. Ich bin ein Innen, ich werde dich finden.

Und wenn nicht, was wäre ver­loren? Hänge ich so am Geschlecht, hänge ich so am Anderen? Nicht dass ich wüsste. Schon dass ich mich los­reißen kann, ein ums andere Mal, belehrt mich eines Besseren. Vielle­icht auch nicht, denn ich blute. Hem­mungs­los, unge­hemmt. Pausen­blut. Auch das ist falsch, denn da ist keine Pause. Da ist nur Erschöp­fung. Ich bin kein Bluter, und doch, es passiert mir. Mechanik des Über­gangs, Leben im Anderen.

Michael, habe ich in ihm gelebt? Schwer zu sagen. Ja, denn es war das Ein­fache. Nein, denn da war dieses Flu­idum. Wäre ich nicht schwanger gewe­sen, ich hätte es vielle­icht nicht bemerkt oder es hätte mir nichts aus­gemacht oder ich hätte es selbst aus­ges­trahlt und alle hät­ten sich prächtig ver­standen. Michael das Kind. Kein junger Mann, der sich weigert, erwach­sen zu wer­den. Bewahre. Er ist das Kind. Entwick­lungs­los, alter­s­los. Nicht stecken geblieben in der Entwick­lung, du ver­stehst mich richtig, kein Anflug früher oder später Regres­sion trübt diese Stirn. Er haftet nicht, das ist die Sache. Er haftet nir­gends. Er baut ein Gehäuse um dich, gibt dir die Klinke in die Hand und sagt: Deins. Du sagst: Aber die Tür müsste da und da sitzen, kön­nten wir hier nicht ein Fen­ster und ziehts nicht von dort. Er sagt: Ja richtig, und macht sich ans Werk. Es zieht weiter, das Fen­ster sitzt entweder zu hoch oder zu niedrig und die Tür klemmt oder lässt sich nicht schließen, er kratzt sich und sagt: Lass mich über­legen. Er über­legt auch, man sieht es, er hat einen lan­gen Atem. That’s it. Er hat einen lan­gen Atem.

Aber das ist doch nichts Schlimmes. Damit muss man doch leben kön­nen. Wir haben den Bock zum Gärt­ner gemacht, aber wer ist wir? Wer um Him­mels willen ist wir? Dieses Wir, man muss es unbe­d­ingt groß schreiben, denn es ist weder ich noch er, es kennt ihn und mich gar nicht, wo käme es da hin? Es ist nicht die Gesellschaft, das soll­ten wir wis­sen, dage­gen kann man sich wehren. Die Gesellschaft lei­det, man sieht es ihr an, wer Ohren hat zu hören und vielle­icht ein paar Augen, aber besser nicht, denn da sieht er vielle­icht schon zu viel, der weiß Bescheid: die Gesellschaft, nein, ist es nicht, sie wirkt schon geschwächt, man möchte ihr die eige­nen Trä­nen lei­hen, so weit ist es mit ihr gekommen.

Diese hem­mungslose Sucht, das eigene Elend zu ver­all­ge­mein­ern. Typen gibt es wie Sand am Meer, Frauen, Män­ner, lauter Einzelfälle, kaum ver­gle­ich­bar, dein Elend schwimmt obe­nauf. Dage­gen kommst du nicht an. Nimm den Deckel ab, irgendwo, und es quillt dir ent­ge­gen. Es ist nicht irgen­dein Elend, es ist nicht deines, es ist wohlsortiert, aber es ist das gle­iche. Es liegt im Denken. Du ver­suchst ›richtig‹ zu denken, aber das hier geht nicht allein. Du brauchst den Part­ner. Nichts leichter als das, er ist schon da, er kommt dir ent­ge­gen, ein schönes Gefühl. Ent­ge­genkom­men, zusam­men geschrieben, wie gut. Wie wahr, die Meta­pher. Er kommt dir ent­ge­gen, auf der Über­hol­spur, wo sonst, du taumelst erschrocken zur Seite, er ist schon vor­bei. Mein Gott, das war knapp. Ein heißer Reifen, Junge Junge. Soviel zur Meta­pher. Eine geht in die Depres­sion, dieses Meer, gle­ich hebt es sie, gle­ich wird sie schwim­men, schwim­men oder ertrinken, das Meer umflüstert sie, sie ist nicht allein, es sind die Stim­men von Depres­siven, hun­dert­fach, tausend­fach, Fre­undin­nen sind es, Bekan­nte, gute, alte und zufäl­lige, Depres­sive, wohin es sie trägt, sie ist schon ertrunken, das trägt sie. Ophe­lia ist kein Men­sch, sie ist das Wir.

Habe ich meine Ten­takeln aus­gestreckt? Habe ich ihn umgarnt, eingewick­elt, gefügig gemacht? Seine Depres­sion war sanft, denn er war bei der Mut­ter. Sanft spielt das Leid zwis­chen Mut­ter und Sohn. Oder: lei­d­voll spielt die San­ft­mut, oder: spielerisch lei­det… Die roten Flecken, mein Junge, damit lern­test du umge­hen. Damit über­holte dich Mut­ter, da lern­test du es: ›umge­hen‹, miteinan­der, mit allem. Psy­cho­so­ma­tisch, die san­fte Erpres­sung. Das Zauber­wort. Das war ihre Art, dem Sohn zu sagen: ›Sei ein Mann.‹ Und sie erkan­nten sich: Mann und Frau. Am Zielpunkt deines Lebens, gib’s zu, wartet sie: Mut­ter. Es fiel ihr nicht schwer, ich weiß es, sich dor­thin zu begeben, denn die Straße war frei. Die Straße war frei.

Etwas Verächtliches. Moth­er­fucker. Der geliebte Mann, ungreif­bar in seinen Rou­ti­nen, in seinen zur Fre­undlichkeit geronnenen Rou­ti­nen, die alles umgreifen, und, am Ende der Fre­undlichkeit: Sex. Die ver­schobene Leis­tung. Das ver­langt er sich ab. Dafür gibt er dir frei. Er gibt dir frei. Es ist unglaublich, aber es ist der Kern deiner Beziehung: Er gibt dir frei. Du hast dich entsch­ieden und er gibt dir frei. Das hat Witz, es ist ein Witz: dein Kind ist jed­er­manns Kind, denn du hast frei. Und jed­er­mann drängt sich, du bist ein Balz­platz, du bist die Lich­tung, ein­fühlsam, aber frei. Dieses Kind, das da in mir wächst, ist das Kind vieler Väter, aller Väter, das Kind ihrer Gle­ichgültigkeit, nicht gegen mich, bewahre, ihrer Gle­ichgültigkeit gegen etwas, das ich plöt­zlich nicht mehr ›Zukunft‹ nen­nen möchte, denn dieses Wort erscheint mir jetzt hohl und schäbig dazu. Darüber muss ich nachdenken.

Noch ein­mal: Habe ich ihn mir dien­st­bar gemacht? Das geht nicht, das kann nicht sein, dafür kam ich zu spät. Also kam ich zu spät. In einer auf Güter und Dien­stleis­tun­gen gestell­ten Gesellschaft ist entschei­dend, was du mit­bringst und was du ver­langst: soviel zur Gesellschaft. In einer auf Gütertren­nung gestell­ten Beziehung dreht sich alles darum, was du ver­langst. Aber was du ver­langst, bleibt zweitrangig, es ist nichts, was du dir nicht ander­weitig besor­gen kön­ntest. Also dreht sich alles darum, dass du ver­langst. Damit zeichnest du den anderen aus. ›Sei ein Mann!‹ Aber das ist er doch schon. Er müht sich bere­its, wenn du ihn ken­nen­lernst, auch er ein Appell: ›Sei eine Frau!‹ Und wenn ich es wäre? Was geht es ihn an? Hat er Ansprüche? Was du ver­langst, das ist der Stoff, aus dem du ihn dir erschaffst – beliebig, belan­g­los. Und so sieht er aus, über kurz oder lang. Beliebig, belan­g­los. Ist das ein Vater? Ist das der Vater deines Kindes? Kannst du da sagen: unser Kind? Nein, du kannst es nicht. Du kannst es nicht und du sagst es nicht. Der Mund bleibt zu. Ver­schlossen. Das ist eine Beziehung: ver­schlossen. Offen nach außen, ver­schlossen nach innen. Ich bin innen.

Michael hat Geburt­stag. Er geht ins Büro, ich fange ihn an der Haustür ab, umarme ihn zärtlich, flüstere einen Glück­wun­sch und dass ich ihn erwarte, er macht sich lächelnd los und ver­schwindet. Am Nach­mit­tag set­zen wir uns in den Hof des Kurpfälzis­chen Muse­ums, trinken Kaf­fee und essen Kuchen, das Wet­ter spielt mit, über­all Fla­neure. Er erzählt, ich höre ihm zu. Belan­gloses Zeug, wäre es anders, ich müsste es wis­sen. Er ist stolz auf das, was er tut, ich hab es vergessen. Ich höre auch nicht zu, nicht wirk­lich, flechte Bemerkun­gen ein, wie es kommt. Die Sonne wärmt, die erste Sonne seit langem. Das ist meine Tem­per­atur, sie gibt mir den Kick. Ich beobachte die Leute, das kann ich gut. Ich kön­nte ihm das Leben des alten Mannes erzählen, der hin­ter ihm sitzt, oder die Gedanken der derang­ierten Rothaari­gen, die er mit Blicken streift, aus denen der schweifende Wille spricht, in eine Umge­bung einzu­drin­gen, die sich vor ihm nicht wirk­lich ver­schließt, son­dern eher in unfer­tiger Bere­itschaft ver­harrt. Ich kön­nte ihm alles erzählen, was um ihn herum geschieht, woher es kommt und wohin es sich wieder ent­fernt. Die zwei Stu­den­ten dort neben dem Rosen­beet: obwohl nur ein Murmeln herüber­dringt, fallen die Worte klar und deut­lich in mein Gehör; die Gebärde der jun­gen Frau, die Art, in der sie ihren Arm winkelt, sind Lei­h­gaben mein­er­seits, ich bin großzügig heute, bin es noch ein­mal, zeit­ver­setzt, aber das sind wir alle. Michael auch, dafür hat er Geburt­stag. Das hier ist wirk­lich, ein Innen­hof, offen nach allen Seiten. Man trifft sich, geht auseinan­der, auch das trifft sich. Es naht das Nahende, in diesem Fall die Bedi­enung, ein hüb­sches Ding, sie bal­anciert das Tablett, aber ver­dreht, eine Stu­dentin, so jung, dass die Blicke der Gäste ihr beis­prin­gen, sie trägt nicht, sie wird getra­gen, das macht sie gut. Sie macht sie gut, ihre Sache, was ist ihre Sache? Die Zeit wird es weisen. Sie muss sich nicht bücken, heute nicht, mor­gen schon, die Gene fliegen ihr zu, es ist Schnee­ball­w­er­fen im Mai, sie geht unberührt durch all das hin­durch. Übri­gens kassiert sie ab, denn sie hat Feier­abend. Man schließt hier früh, vor der Ankunft der Schat­ten, das Pro­dukt ist streng kalkuliert, kein Plas­tikgestühl im Anblick des tem­pi­etto, dafür gibt es den Marktplatz.

Schmallip­pig stößt es sich vor­wärts. Dich, mich, wo liegt der Unter­schied? Gewehrläufe zwis­chen den Rip­pen. Oder die Pis­tole im Nacken, bereit. Ich bleibe zurück, aber es stößt mich vor­wärts. Ich bin noch nicht bereit, aber das wird sich finden. Die Ungeduld fährt vor­bei, sie sitzt im Fonds eines Wagens, der mir bekannt vorkommt, auch der Typ am Steuer kommt mir bekannt vor, ich möchte ihm nicht im Dunkeln begeg­nen, auch nicht im Hellen, aber sie prescht vor­bei und lächelt erhaben, ich falle zurück. Man wird mich erledi­gen, hier, auf freiem Feld, ich sollte die Füße in die Hand nehmen, da ruhen sie gut, aber die Sache wird dadurch nicht leichter, eher schwieriger. Besser, es geht seinen Gang. Dieser Gang ist nicht gut, er führt in die Gaskam­mer, eine Phan­tasie, für die ich nichts kann, eher ein Aus­rutscher, ein Lap­sus lin­guae, ich sags auch nicht nochmal. Nein, ich sags nicht nochmal. Eigentlich wollte ich dieses Kind, ich kann es nicht hal­ten, ich kann es nicht. Denkt so eine wer­dende Mut­ter? Das ist ein toller Aus­druck: eine Wer­dende. Daraus wird nichts. Michael hat seine Mut­ter, er braucht keine zweite. Ich habe keine, so etwas lässt sich nicht erset­zen. Außer­dem, wo kämen wir hin? Ich bin kein Ersatz. Mutter-​Ersatz, wie sich das anhört. Ersatz­mut­ter, das klingt nur schlimm. Das Kind wird ganz fad, es lächelt mich an. Kind ohne Namen, Kind ohne Gesicht. Das kön­nte ich sein, ohne Scherz. Wo komme ich her? Ich sollte im Bett sein, da habe ich jeden­falls nichts ver­loren. Oder doch? Es bückt sich, ganz rasch, ich kann nicht sehen, was es da aufhebt, ich kann nicht sehen, ob es etwas zwis­chen den Fin­gern hält, es zeigt nichts her. Nichts zeigt es her. Ein stör­risches Kind. Ich weiß, es ver­steckt seinen Vater, wenn nie­mand hin­schaut, lässt es ihn schnell auf der Hand­fläche spazieren. Warum ver­steckt es ihn? Wo hat es ihn her? Der Boden war leer, ich kann es beschwören. Es sieht mich so matt an, aber darauf falle ich nicht herein. Wenn die Gesellschaft ein Kind bekommt, soll sie sich darum küm­mern. Ich bin nicht die Gesellschaft, ich bin kein Ersatz. Ich bin auch nicht die Gesellschaft der Gesellschaft, was ist das für eine Clique? Sie sitzen auf hohen Stühlen, wie Barhocker sieht das aus. Sie haben die Beine hochge­zo­gen und lugen auf mich herab. Sie tra­gen Kapuzen auf ihren Gesichtern, ich kön­nte sie ihnen entreißen, aber eine Stimme sagt mir, ich soll es lassen. Also lasse ich es, was dann kommt, soll sie nicht wun­dern. Sie beteuern, so sei es nicht, und ich glaube ihnen. Jetzt reden alle durcheinan­der, sie haben Mitleid mit mir, ich höre es an ihren Stim­men. Das tut gut, aber es ist falsch. Etwas ist falsch. Die Tür, sie steht offen. Sie reden sie weg, sie wollen nicht, dass ich sie sehe. In Türen kenn ich mich aus. Diese steht offen. Ich spüre sogar den Lufthauch, der von ihr herkommt, über­all auf der Haut.

Ich ermüde dich, aber ich kann es nicht ändern. Vielle­icht hast du ger­ade deine dreiundzwanzig­ste Benn-​Phase oder du fack­elst dich an einem Thai-​Mädchen ab, man muss mit allem rech­nen – ich rechne nicht mit dir, sei, wo du bist. Eine Bitte am Rande: sei, der du bist, nur das, ich weiß, es strengt an, es wird nicht hon­ori­ert, die einzige Phrase, in der das Ehrge­fühl über­lebt, in den Boden getreten, wie auch immer, nein, es wird nicht hon­ori­ert, es wird gefordert, Plakate plär­ren dich an: Sei du selbst! Sei plaka­tiv! Also gut. Weg mit dem Selbst, weg mit dem Selb­dritt, dem Sel­ban­der und dem Allersel­big­sten – das klingt ja, als habe man einen Schluck­auf, das wollen wir lassen. Ich habe kein Kind, falls dir etwas geschwant haben sollte, schnell oder langsam, ich weiß nicht, von welcher Sorte du bist, wenn es darum geht. Ich habe nicht abgetrieben, auch das nicht, obwohl… ich es vorhatte, irgend­wann vorhatte, aber es ergab sich nicht. Es ergab sich nicht, kon­nte sich nicht ergeben, denn als ich, endlich, einen Arzt auf­suchte, traf ich auf ein wenig ungläu­biges Erstaunen, breit genug, um ein Grin­sen in seinen Mund­winkel zu zaubern, wo es sicher schon oft­mals ges­tanden hatte, Frauen halt, Frauen, die sich versteifen –

Das war selt­sam, das gefiel mir so wenig wie jenes andere, denn es war, ohne Frage, das Durch­lebte, also das Wirk­liche, wirk­lich war auch der Test gewe­sen, das Aus­bleiben der Blu­tun­gen, die nur ein paar Tage später mit kaum gekan­ntem Elan wieder ein­set­zten, kein medi­zinis­ches Wun­der, nur eine ent­fer­nte Möglichkeit, sta­tis­tisch irrel­e­vant, wie man mir erk­lärte, aber in meinem Fall zur Stelle, ein sel­tener… ein seltenes… eine sel­tene… Stock­ung, so will ich es nen­nen, ein Stock im Fluss, im Fließen, ein wenig Schaum pro­duzierend, Blasen, Bewusstseins-​Blasen, an den Füßen auch, dort vor allem. An den Füßen. Ich würde sie gern hochle­gen jetzt, aber zum Schreiben ist das unbe­quem. Und schreiben möchte ich doch, frag nicht warum, ger­ade jetzt.

Sta­tis­tisch irrel­e­vant, wie gesagt. Ich ging nach Hause und dachte nach, wenn man das nach­denken nennt. Michael habe ich nicht wieder gese­hen, vielle­icht doch, aber auch dann nicht. Ich hatte immer so eine Tasche, die nahm ich, ging zum Bahn­hof, suchte mir einen Zug her­aus und dachte: Das bist jetzt also du. Die Rolle hast du, mach dir keine Sor­gen, du hast sie. In so einem Film spielt man nur ein­mal, das Genre ist lächer­lich, also denk an die Gage. Die Leute wer­den dich anstar­ren, so eine Lein­wand ist riesen­groß, hof­fentlich ist nicht zuviel Nahauf­nahme dabei, ich kann das nicht lei­den. Ich will aber nicht zurück­bleiben, ger­ade jetzt nicht, ich gehöre doch zu den Leuten. Irgend­wie gehöre ich zu ihnen, sie wer­den das schon noch merken. Wenn nicht, dann werde ich mir etwas aus­denken, aber das kommt später. Das hier ist reell. Eine Fahrkahrte ins Gebirg. Kommt nicht von unge­fähr. Mehr über Nacht. Aber das ist egal, jetzt, wo ich sie gelöst habe. Der Zug läuft ein, vitales Kerlchen, etwas lang für so eine Strecke, sein brauner Rücken schmiegt sich unter die Brücke, ich schre­ite die Treppe hinab, kein Dampf, kein Geschrei, nur Türen­klap­pen, wie immer, kein Wartender hat ein Auge für mich, kein ver­stohlener Blick, küh­les Gedränge, eilige Abschiede: kein bil­liger Film, wenn man mich fragt, wahrschein­lich exis­ten­tiell. Gut, dass ich das jetzt weiß, in so ein Team kann ich mich einleben.

Ich habe völ­lige Frei­heit. Ich kann zum Beispiel in den Speisewa­gen wech­seln, die Schein­wer­fer sind an, die Kam­eras laufen, diese Tech­nik ist hyper­mod­ern, alles bleibt den Blicken ver­bor­gen, dem Spiel kommt das natür­lich zugute. Ich gebe mein Bestes, das ist selb­stver­ständlich. Junger Mann, das war ein har­ter Knuff, haben Sie keine Augen im Kopf? Vielle­icht bin ich unsicht­bar, das wäre dann doch etwas bil­lig, oder der Regis­seur ist noch jung, vielle­icht Regis­seurin, die denken sich sowas aus. Ich möchte es nur nicht testen, das liegt außer­halb meiner Rolle, ich spüre das. Ich bin eine gute Darstel­lerin, man merkt es mir an. Die Szene atmet Anerken­nung. Das tut gut, mein Flu­idum beherrscht den Raum. Dieser Kerl mit der Bier­flasche, der den Gang versperrt, er muss mich nicht sehen, mein unsicht­bares Kom­men räumt ihn zur Seite, nicht anders als die Glastür gle­ich dahin­ter, die sich selb­st­tätig öffnet, aber an Men­schen erstaunt es mehr. Wo sonst liegen Erstaunen und Befriedi­gung so dicht beieinan­der? Natür­lich weiß ich, dass der wirk­liche Auftritt mir noch bevorsteht, das weiß doch jede, es hat nichts Erschreck­endes, es fühlt sich gut an, es geht dir gut, solang du so denkst. Gle­ich da vorne ist es soweit, der Gang mün­det, rechts der Tre­sen, die Gerätschaften lauern, blitzblank, das muss so sein, der Reflexe wegen, die müssen sein. Meine sind gut.

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