Ich hatte Peter nichts hin­ter­lassen, keinen Zettel, kein Lebe­wohl. Der ICE, dieses Durcheinan­der gedämpfter Gerüche und Geräusche, gab ein ver­trautes Gefühl. Draußen fie­len die Schat­ten, ich dachte an die Riesen­flügel, die die Welt ver­hüll­ten, und wartete auf die Klauen. Im Mit­tel­gang liefer­ten sich Ruck­sack­träger und Kof­ferzieher stumme Stel­lungs­ge­fechte. Rem­pler, dachte ich, und ver­suchte, West­ler und Ostler auseinan­der zu hal­ten, was miss­lang. Keine Adresse zurück­lassen, das heißt wohl sich los­machen. Leine ziehen. Das Kind in mir ruckte, obwohl ich wusste, das kann nicht sein. Ich war ver­sucht, ein wenig mit ihm zu reden. Reg dich nicht auf oder so, wir kriegen das schon auf die Reihe. Na gut, du wirst nicht in Kreuzberg zur Schule gehen; vielle­icht besser so. Zu viel Hochmut, zu viel Ressen­ti­ment. Ver­steck dich, da kommt der Mann, der die Karten prüft. Meine sind nicht beson­ders gut, aber deine? Du wirst mir doch nicht in den Arm fallen? Lass das, gedulde dich noch ein wenig. Deine Zeit wird schon kom­men, schon kom­men. Die Nacht zum Beispiel, diese Nacht… Wir wer­den uns ein Hotelz­im­mer nehmen, das ist klar, aber mor­gen müssen wir uns entschei­den. Weißt du, was das heißt? Du hast ja keine Ahnung, was es heißt, sich zu entschei­den. Und das ist gut so. Es verdirbt einen. Ander­er­seits verdirbt man, wenn man sich nicht entschei­det. Ich meine: von innen. Man ver­fault, hätte dieser Mann gesagt, den sie meinen Vater nan­nten. Das tat er dann auch. Wir wer­den uns hüten, nicht wahr, wir zwei, wir wer­den uns sehr in Acht nehmen, damit uns das nicht passiert. Oder sind wir schon ein wenig ange­fault? Lass fühlen. Womit fühlt man so etwas? Sind das etwa die weichen Stellen? Sitzen da schon die Maden? Wir sind doch keine reifen Früchte, nicht ein­mal Früchtchen. Marme­lade werde ich kochen, das habe ich noch gese­hen, als ich klein war, ich versprech’s dir. Wer bist du über­haupt? Ein Mäd­chen, das kann ich mir vorstellen. Ein Junge? Du machst mich neugierig. Kind, du machst mich neugierig. Aber erst ein­mal bleibst du hüb­sch dort, wo du hinge­hörst. Tief innen in mir, nicht wahr? Nein, ich will nichts von dir wis­sen. Das kommt alles früh genug. Du bleibst drin und ich geh meiner Wege. Ich kenne mich aus. Ich kenne mich. Aus. Punkt. Aus.

Ich übte, aber die Übung miss­fiel mir. Häng dich über die Kloschüs­sel, dachte ich, kotz dich aus, danach ist dir wohler und es bleibt, wie es ist. Es ist aber so, wie ich dir sagte: du kannst kein Kind brauchen, du hast noch viel vor in deinem Leben, du hast noch viel vor mit deinem Leben, nimm’s in die Hand! Dreh es und halt es dir vors Gesicht! Was siehst du da? Die Fratze einer jun­gen Frau, die ihr Leben betra­chtet. Das Leben liegt vor dir, ein roter Tep­pich, kaum trittst du drauf, quillt Seife her­aus. Bist du bescheuert? Warum, bitte, so ordinär? Dieser Kerl, mit dem du die let­zten Wochen zusam­men­gelebt hast, ein Hun­deleben. Seins oder meins? Damit geht es los. Egal, wie du los­gehst, du triffst diese Köter. Du weißt es und du merkst es nicht. Das kommt daher, dass sie eine Stimme haben. Sie erheben sie, das ist wahr. Aber gut ist das nicht, erhebend schon gar nicht. Auf­bruch, Umbruch, du siehst nur Bruch. Wie sie zap­peln. Ren­dite, was ist das? Nie gehört, muss eine von diesen West-​Tussis sein, laufen ja genug hier vor­bei. Wie sie sich auf­bürsten. Oben herum ist alles Frisur, wer weiß, wo das anfängt. Nur nicht nach­se­hen. Oder doch? Natür­lich sehen wir nach, klar doch, wird gemacht. Klobürsten verkaufen! Wer uns das gesagt hätte. Mir schläft der Arm gle­ich ein, das kommt vom Kuscheln. He, dreh dich mal auf die andere Seite, nimm’s nicht per­sön­lich. Keine Sorge, das wird nicht passieren. Das wäre zuviel des Guten. Einen harten Tag hast du vor dir. Sei kein Weichei.

Lang ist so ein Zug. Im Speisewa­gen glim­men die Läm­pchen. Her­rlein mit Gel­frisuren und Krawat­ten, die ausse­hen, als ver­dank­ten sie sich dem Comic-​Strich eines berühmten Kün­stlers, dessen Name mir ger­ade nicht ein­fällt, Fräulein, die nicht mehr so heißen, aber alles genauso machen, der Kell­ner betrunken, aber nur leicht. Er steigt mir auf den Fuß, mal sehen, was noch kommt. Wenn er sich entschuldigt, gebe ich einen aus. Passiert aber nicht. ›Fete du Mauer­park‹ stand in leuch­t­end roter Schrift auf dem Plakat, das mich täglich belauerte. Ich fürchte, wäre ich hinge­gan­gen, hätte ich bekan­nte Gesichter gese­hen. Natür­lich gab es sie, die Jeunesse dorée des Osten, und sicher gehörte ich damals dazu. Hätte es sie nicht gegeben, so hät­ten wir sie erfun­den: Der Spruch passt auch hier. Beschei­den wie unsere Genüsse waren auch unsere Wün­sche. Als ich in den Westen fuhr, glaubte ich mich am Ziel, ich glaubte es wirk­lich. Mein Vater hatte alle Hin­dernisse bei­seite geräumt; so gehörte sich das. Er wusste, dass ich nicht wiederkam. Das war seine Entschei­dung. Also doch. Den Hochmut kon­nte ich brauchen, Blasiertheit wäre besser gewe­sen, aber dazu kon­nte ich mich nicht ver­ste­hen. Wie hochhack­ige Schuhe, kommt gle­ich nach der Behin­derung links. Wenn ich heute Gre­gor auftreten sehe – er heißt jetzt ›Gysi‹, so wie Herr Fis­cher nur ›Joschka‹ heißt, die Fernse­hwelt braucht solche Maskottchen –, dann ist sie wieder da, die Berliner Luft, die wir damals atmeten, er hatte Recht, ich Unrecht, aber ich war jünger und bin es noch. Für eine Frau ist das wichtig. Nicht mein Zug. Aber wahrschein­lich fliegt er.

Der Mann am Tisch gegenüber, Zwinker­auge sei wach­sam, ging mir beträchtlich auf den Senkel. Ich stand auf, zog ihm geruh­sam die in Pisa erwor­bene Hand­tasche durchs Gesicht und ver­ließ das Abteil.

Aufge­dreht, das ist es. Ja, ich war aufge­dreht und bin es noch heute, wenn ich daran denke. In der Hei­del­berger Mansarde nimmt das eigene Leben einen anderen Geschmack an als in der Berliner Mansarde, ganz zu schweigen von der Pariser Mansarde, man muss keinen Gott und kein Absolutes bemühen, umso weniger den Näch­sten und seine Gebresten. Es war nur der erste Stock einer Neuen­heimer Pen­sion, gle­ich neben dem Markt, in dem ich ein ruhiges Zim­mer bewohnte, aber die Erfahrung schien mir ganz dieselbe zu sein. Oder auch nicht! Wer weiß. Wäre mir zufäl­lig in den ersten Tagen Michael über den Weg gelaufen – ich hatte beschlossen, ihn nicht von mir aus aufzusuchen –, dann hätte sich bes­timmt das eine oder andere anders entwick­elt, denn etwas entwick­elt sich immer anders, je nach­dem… aber es wäre aufs selbe hin­aus­gekom­men. Auch so blieb ich nicht lange allein. Du warst fort­ge­zo­gen (oder auch nicht), jeden­falls aus meinem Gesicht­skreis ver­schwun­den, das Kind in mir rührte sich nicht und das war gut so, ich brauchte eine Arbeit und kell­nerte in der Nach­barschaft, an den lan­gen Aben­den sah ich Gesichter wieder, so dass ich manch­mal zu träu­men glaubte, doch dazu bestand, wie immer, kein Anlass. Auch Melitta sah ich wieder, erin­nerst du dich an Melitta? Das herbe Gesicht in der zweiten Reihe. Dies­mal trug sie ihr Haar straff nach hin­ten gebürstet, ich nahm an, der Typ an ihrer Seite sei schwul. Weit gefehlt! Als ich am näch­sten Tag aufwachte, glaubte ich zu wis­sen, dass ich eine erbit­terte Feindin mehr auf der Welt besaß, es waren aber zwei, die Hauswirtin ein­gerech­net. Alt-​Heidelberg, das vererbt sich. Der junge Mann war lieb, er half meine Sachen tra­gen und bot mir an, bei ihm zu schlafen, solange seine Eltern nicht Wind von der Sache bekä­men. Ich hörte ihn fre­undlich an, neigte den Kopf wie in einem alten Kinofilm, nickte und ver­sprach, mir die Sache durch den Kopf gehen zu lassen. Vor dem Hotel über­legte ich, ob es ange­bracht sei, ihn mit einem Trinkgeld zu ent­lassen, und strich ihm ver­such­sweise übers Haar. Ich sah, wie die Wut seine Augen ver­dunkelte. Es war aber mehr Trotz als Wut, deshalb bat ich ihn, im Foyer auf mich zu warten und keine Dummheiten zu bege­hen. Ich brachte meine Sachen ins Zim­mer, duschte (in der Pseudo-​Mansarde hatte ich mich mit einem Waschbecken beschei­den müssen) und machte mich zurecht; das gab mir ein gutes Gefühl. Warum gibt es Woh­nun­gen und nicht nur Hotels? Solange ich im Hotel wohne, geht es mir gut, kaum stehe ich zwis­chen den eige­nen vier Wän­den, wach­sen die Schwierigkeiten.

Der arme Junge! Er musste viel lei­den an diesem Mor­gen, ich hoffe, es kommt seiner Biogra­phie zugute. ›Die Gräfin entstieg dem Fahrstuhl.‹ Naja, jeden­falls fiel sein vom Warten etwas gläsern gewor­dener Blick gle­ich auf mich, er zeigte sogar mit dem Fin­ger nach mir, was ich eher unge­hörig fand. In seinen Augen stand ehrliche Begeis­terung darüber, dass er mich jeman­dem zeigen kon­nte, und dieser Jemand drehte sich – sollte ich das ›pflichtschuldigst‹ nen­nen? – nach mir um, etwas umständlich, damit die Würde keinen Schaden nahm, aber er drehte sich – ein Gesicht wurde sicht­bar, ein Augen­paar, erstaunt oder nicht erstaunt, was weiß ich, und dieses Augen­paar erhob sich, getra­gen von der Statur eines Mannes, den dum­men Jun­gen wie eine Mücke oder irgen­dein Insekt hin­ter sich lassend… Warum erzähle ich das? Noch dazu dir? Aber du hast ja kein Gesicht, an etwas muss ich mich hal­ten. Michael – ich erfuhr es nach und nach, als wir im Taxi davon brausten – war hergekom­men, um eine Reisende in Emp­fang zu nehmen, die Dame hatte ihn ver­setzt, nicht zum ersten Mal, er war also bereit, ich trudelte in ein Paar Arme, die offener nicht sein kon­nten. Er schüt­tete sein Herz aus und lachte mich an. Das dauerte, wir zogen von Lokal zu Lokal. Um Mit­ter­nacht ran­nten wir den Schloss­weg hin­auf und beugten uns über die Balustrade. Da war alles, der Neckar, die Frachtkähne, die Spielzeugläm­pchen, die gel­ben Augen der Nacht. Abrupt richtete er sich auf: »Du gehst nicht zurück ins Hotel.« Ich, ohne zu über­legen, flüsternd: »Das war auch nicht meine Absicht.«

Das war glatt gel­o­gen, natür­lich wollte ich zurück ins Hotel, ger­ade jetzt, gegen mich selbst, gegen die Welt, die, eine dun­kle Kugel, stumm und reg­los in mir lag und darauf wartete loszubrechen. Das hier wollte ich nicht, es hatte nichts zu bedeuten, aber es set­zte sich durch. Der­selbe Mann, dieselbe Frau. War ich dieselbe? War ich mehr dieselbe? War ich mehr die Frau, die sich los­gemacht hatte oder die Frau davor? Wenn es auf ein Mehr oder Weniger mehr nicht mehr ankam, dann ging es mir gut; das war die Frage.

Warum ver­fol­gen Frauen Män­ner und Män­ner Frauen? Dumme Frage, das ist die Crux. All diese Fra­gen sind dumme Fra­gen, die Antwort liegt auf der Hand, du bläst sie weg, sie liegt in der Luft, sie erfüllt sie mit Lachen, sie ist zum Lachen, sie ist die unmögliche Antwort, die durchgestrich­ene Antwort, da liegt die Crux. Lachend gehst du gegen den anderen vor, suchst ihn in seiner Haut auf, dort, wo er sich sicher wähnt. Lachend geht er aus sich her­aus. Das Leben ist mehr als der Tod. Die Liebe ist mehr als das Leben. Die Liebe ist das Leben, sie stre­icht es durch. Das durchgestrich­ene Leben wächst, wächst heran zur Begierde. Die Begierde nimmt das Spiel auf, sie ist mit­ten­drin. Du kannst sie nicht durch­stre­ichen, das besorgt nur der Tod. Der Tod ist weniger als das Leben, er geht ihm nach. Mit dem Tod kannst du nicht spie­len, solche Scherze hebeln dich aus. Das verstimmt!

Wenn ich jetzt mit diesem kün­ftig etwas zur Fülle neigen­den Mann ins Hotel ging (hatte ich nicht bere­its zuges­timmt?) und meinen Kof­fer abholte, dann hatte ich ver­spielt. Die Murmel hatte sich ver­fan­gen und kreiselte um den tief­sten Punkt – nicht lange und sie würde daliegen, als warte sie auf den näch­sten Stoß, der kommt oder nicht kommt, wer kann das sagen. Wenn ich nicht mit­ging, dann holte ich mir zumin­d­est eines: kalte Füße. Das hört sich nicht über­legen an, aber es ist die Wahrheit. Ich weiß, man darf das nicht sagen, Wahrheits­fra­gen gehören ihrer Natur nach zur knif­flig­sten Sorte und wer die Frauen liebt, ver­gisst sie am besten ganz. Aber das ist der Vorteil der Frauen, dass sie die Frauen nicht lieben, jeden­falls nicht immer, nur zu Zeiten. Was die kalten Füße angeht, so ken­nen sie sie gut. Natura hoc fecit. Die Furcht vor den kalten Füßen regiert unser Leben, sie gibt die besten Ein­fälle und ver­leitet zu den son­der­barsten Exzessen. Es ist die Furcht der Nähe, die frieren macht, die Furcht vor dem ständi­gen Begleiter, es sei denn, es ist Hochsom­mer und wir machen uns frei. Dafür war es zu früh im Jahr, viel zu früh, ger­ade jetzt fühlte ich, in meinen Man­tel gewick­elt, diese son­der­bare Kälte, gegen die nur die aus­ge­sucht­esten Stoffe Schutz boten. Überdies reizte mich die Illu­sion: dass dieser Mann auf mich gewartet hatte, wider allen Ver­stand, war ein kleiner Grund, ein Gründ­chen, ihn unter die Lupe des Ver­standes zu nehmen. Das Rech­enex­em­pel schien nicht so schwierig, die Summe sprang ins Auge, ohne dass größere Oper­a­tio­nen notwendig wur­den. Die gesicht­slose Frau, die jetzt vielle­icht im Hotel saß, die Hand neben dem Hörer, oder die vielle­icht schon wieder abgereist war, ich hatte sie nicht vergessen, o nein, meine Anwe­sen­heit stand für sie ein und wenn Michael meine Augen küsste, dann küsste er, ohne es zu wis­sen, ihre mit, denn ich hatte, ohne viel darüber nachzu­denken, ihr in meinem geräu­mi­gen Inneren Asyl geboten und sie hatte dank­end angenommen.

Mit allem hatte ich gerech­net, aber nicht damit, dass Michaels Fam­i­lie Wider­stand leis­ten würde: Wider­stand gegen mich, Wider­stand gegen diese Verbindung, Wider­stand gegen ihn, der sich unter ihren Augen mit einer Frau zusam­men­tat, Wider­stand gegen alles, was sich daraus in näherer oder fernerer Zukunft ergeben mochte… Michaels Eltern wohn­ten in Hei­del­berg. Sie besuchten uns nicht ein einziges Mal in seiner Alt­stadt­woh­nung, die ich schon ken­nen gel­ernt hatte und in der ich jetzt auf Strümpfen herum lief. Sie hiel­ten Hof. Der Vater rief ab und zu an, seine Stimme klang brüchig, sie schien aus den Tiefen der Taiga zu kom­men oder von den Höhen des Apen­nin, jeden­falls aus einer Welt­ge­gend, in der man als Fremder nicht so leicht einen Fuß in die Tür bekommt. Her­risch ver­langte er nach seinem Sohn, nahm aber nach ein paar abschätzi­gen Bemerkun­gen – nicht ungern, wie ich bemerken musste – mit mir vor­lieb, so dass wir manch­mal ziem­lich lange rede­ten, bis, wann immer es ihm passte, nicht sel­ten mit­ten im Satz, er das Gespräch been­dete, so wie man ein über­raschend aufzün­gel­ndes Feuer aus­tritt. Die Mut­ter tele­fonierte nicht, sie ver­trat Ansichten – mit rot glühen­dem Gesicht und gepresster Stimme, ehe sie sich wieder am Herd oder sonstwo zu schaf­fen machte.

Beide hat­ten nichts gegen mich, sie lehn­ten mich ab. Ich hatte mich ihres Sohnes bemächtigt, ich war eine Okku­pan­tin. Es war abzuse­hen, dass ich bald schwanger wer­den würde (noch hatte ich nichts gesagt), das fan­den sie, ›gelinde gesagt‹, eine Unver­schämtheit. Es würde die zweifel­los viel zu geringe Aufmerk­samkeit Ihres Sohnes von ihnen abziehen und sie hat­ten keineswegs vor, ihr brüchiges Lebens­ge­fühl auf Mal­lorca aufzubessern. Ein Enkelkind? Katas­tro­phe! Ein Leben lang gear­beitet und dann das! Ich sah bere­its vor mir, wie sie auf dem Boden herumkrabbel­ten und wieder zah­n­ten, um im Geschäft zu bleiben. Wir wür­den uns um ihre Ein­schu­lung küm­mern müssen, welch ein Aufwand! Ein Aufwand um nichts, denn bere­its heute kon­nte Michael ihnen nicht genü­gen, er hatte es nie gekonnt. »Nie ist er da!« erk­lärte der Alte mit fes­ter, ein Kopf­schüt­teln andeu­ten­der Stimme. Der Sohn richtete sich durch Abwe­sen­heit. War er anwe­send – was nicht so sel­ten vorkam –, dann änderte das nichts, gab aber Gele­gen­heit, ihn merken zu lassen, dass er sich an ihnen verging.

Diese Maßlosigkeit, prim­i­tiv und direkt, war mir neu. Hätte Michael mir nicht das eine oder andere erk­lärt, ich hätte den Umgang mit den bei­den sofort wieder eingestellt. So fügte ich mich in die Eltern-​Sohn-​Symbiose, so gut es ging. So gut es ging. Nicht ein­mal so schlecht, im Nach­hinein betra­chtet. Ich machte die Mit­t­lerin. In der Rolle kon­nten Sie mit mir ›etwas anfan­gen‹. Immer­hin. Was sollte ich machen? Die Frage kam mir ver­traut vor, aber diesen Gedanken schob ich ganz nach hin­ten. Wo er gedieh, der Hin­terkopf, scheint mir, beherbergt zu Zeiten den geräu­mig­sten Teil des Gehirns. Und ich meine das nicht phys­i­ol­o­gisch; unter Anal­pha­beten muss auch das gesagt werden.

Sollte ich es ihnen sagen? Sollte ich es denen sagen? Ich hatte mich nicht ein­mal über­winden kön­nen, mit Michael darüber zu reden, eine Grundscheu hielt mich davon ab. Eine Scheu aus dem Grunde. Aus welchem Grund? Grund­los, wie sonst. Aber, so wirst du sagen, das ver­stehe ich nicht. Ger­ade darum ging’s doch. Siehst du, das ist er, der Grund. Ger­ade darum ging’s. Wenn es aber nicht ger­ade geht, dann stimmt etwas nicht mit dem Grund. Der Grund selbst, er wack­elt. Dieses Beben, siehst du, es pflanzt sich fort. Was hätte ich sagen sollen? Mir sagen sollen? Die Rich­tung stimmt, stimmt nicht? Michael – Michael war die Stetigkeit selbst. Ein Mann in Lei­de­form. Seiner Eltern Kind, ein Kind seiner Mut­ter, dieser karmesin­roten For­ma­tion im Kochtopf­bezirk, ein Kind seines Vaters. Vor allem aber: Kind seiner Mut­ter. Er kam nicht von ihr los. So wie ich von dem Ziehen im Bauch, das mich neuerd­ings Nächte kostete.

Soll ich sagen, sie mis­strauten mir? Soll ich sagen, sie rochen den Braten? Teufels­brut, die in mir her­an­wuchs. Dafür hat­ten sie ihn nicht großge­zo­gen. Mit Michael wäre ich glänzend klar gekom­men, er machte über­haupt keine Prob­leme. Über­all Haut, an der ich mich reiben kon­nte, ein sinnliches Vergnü­gen. Wenn wir rede­ten, ging es über­all­hin. Unsere Rede ging ins Gebirge, spazierte in die Täler, floss mit den Flüssen, zerteilte die Lüfte. Über alles hätte ich reden kön­nen, er wäre auf meiner Seite gewe­sen. Er war offen für das. Ich hatte ihn aufge­tan, die andere ihn zap­peln lassen, er war bereit. Es war die Mut­ter, die das Schw­ert zwis­chen uns legte. Ich kon­nte mir aus­malen, wie sie redete, wenn sie mit sich allein war. Denken kon­nte man es nicht nen­nen, nur Rede, die durch sie hin­durch lief, von Gen­er­a­tion zu Gen­er­a­tion weiter lief, boden­los, halt­los, wen sie hinein­war­fen, der kroch nicht mehr lebend her­aus, halbtot vielle­icht, geze­ich­net für den Rest seiner Tage, ein leben­des Manko. (Aus­drücke gibt es!) Sie brauchte nur den Mund aufzu­machen, alles andere besorgte die Rede selbst, davon war ich überzeugt. Diese Frau ist gefährlich, flüsterte diese Rede, sie hat einen Kopf, sie hat einen Willen, was mag sie damit anfan­gen? Sie hat einen Grund, sich einzuschme­icheln, sie ist zu plöt­zlich aufge­taucht, sie ist die Falsche. Er sieht es nicht ein, er will es nicht ein­se­hen, sie blendet ihn, das fällt ihr nicht schwer. Kön­nte ich ihm meine Augen geben, fiele es ihm leichter, die Dinge zu sehen, wie sie sind. Gern würde ich sie ihm geben, wenn ich ihn im Aus­gle­ich dafür behielte. Man darf so nicht denken, ich weiß, aber Denken ist nicht immer das Beste. Man kommt nicht über­all hin damit, man muss sich auch gehen lassen. Eigentlich ist sie nicht übel, aber sie ist nicht die Richtige. Dort, wo sie herkommt, trägt man die Röcke verkehrt herum, alles ist Spiel. Man sieht das jetzt immer mehr. Wo es diese Frauen hinzieht? Neben der Straße läuft der Fluss, wer hine­in­fällt, der verätzt sich die Lunge. Sie wis­sen das, aber es zieht sie. Es ist stärker als sie. Sie reden von starken Frauen, doch die Stärke der Frauen ken­nen sie nicht. Wie sie aussieht, treibt sie auch Sport. Obwohl – so ist sie nicht. Schwach ist sie nicht, auch nicht im Kopf. Ich muss ihn war­nen, aber er missver­steht mich. Er ver­steht meine Zeichen nicht. Vielle­icht sollte ich sie war­nen, Frauen ver­ste­hen leicht. Selbst wenn sie nichts ver­ste­hen, haben sie schon ver­standen. Män­ner ken­nen das nicht, darum sind sie lenkbar. Mach dir keine Sor­gen, mein Junge, ich werde das schon richten. Nein, das ist nicht gut. Sor­g­los darf man nicht sein. Ich muss ihn war­nen, ganz richtig, ich muss ihn warnen.

Der Lastkahn, bis knapp unter der Bor­d­kante im blick­dichten Wasser ver­schwun­den, hat ger­ade die Schleuse passiert, er schwimmt ruhig, blub­bert leise. Bald wird er die Alte Brücke passieren, deren Sand­stein im nassen Vor­mit­tagslicht zwis­chen schwachen Rot– und Blautö­nen schim­mert. Die graue Welt ist die far­bige; sie lockt die Töne, lässt sie erste­hen auf feuchtem Bogen. Die Fährsta­tion: ein Schmutzfleck. Ein Ver­samm­lung von Schmutzflecken, worüber sie reden? Ihr Gegen­stück drüben, auf der anderen Seite des Flusses: ein elegis­cher Ort. Die Ufer­mauer mit ihrem stärk­eren Ock­erk­lang, die ver­wasch­ene Balustrade, auf der die Autodächer hin– und her­gleiten, denn geparkt wer­den darf dort nicht, sie ziehen den Blick – wohin? Wer dort ent­langgeht, ist im Bild, er weiß von nichts, aber er ist im Bild. ›Im Bild sein‹, was ist das? Ich wäre es gern, in der einen oder anderen Weise. Diese Häuser, fast unerr­e­ich­bar für den mietenden Zeit­geschmack, sie haben etwas Ein­laden­des, das sie auf den zweiten Blick wieder zurück­nehmen. Härte, genau: sie sind von ein­laden­der Härte, vor der das schweifende Auge erstaunt zusam­men­zuckt. Max Webers leg­endärer Gespräch­skreis, Jen­seitspalaver unter der Guil­lo­tine. Die Häuser ste­hen, der Wind, der von ihnen bleiben wird, schlum­mert noch im Futur. Manch­mal regt er sich, im Gefühl, wo sonst. Bek­lom­men­heit nennt man das. Etwas klemmt, will sich frei machen.

Will es das? Und wenn es das will, wo bleibe ich? Bek­lom­men­heit angesichts eines Lebens, in dem ich nur noch Relikt sein werde, totes Holz, verge­hende und schon ver­gan­gene Real­itäts­forderung, der Mann, um dessen Zus­tim­mung zu diesem Leben es mir heute geht, eine Lach­num­mer, sinnlose Härte inmit­ten kleinerer und größerer Unfälle: ›Weißt du noch…?‹ Auch dieses Wis­sen, das die Älteren fremd berührt (man merkt es an ihren Reak­tio­nen), kein­er­lei Wis­sen, ein Waschbrett, über das der Tropfen ›Ich‹ abläuft, Jahr für Jahr, immer dieselbe Strecke – wie es wohl wieder hin­aufkommt? Damit ein­ver­standen sein, ohne Not, zum ersten Mal: ohne Not, das kann nicht im Unge­fähr ste­hen bleiben, das muss her­aus gear­beitet wer­den, das muss her­aus, und wenn es dabei krepiert.

Etwas rührt sich in mir, regt sich, streckt sich – so kommt es mir vor. Müt­ter­liche Gefühle gibt es mir nicht ein, sie bleiben aufges­part, für später. Für danach. Heute, ich spüre es, fällt eine Entschei­dung. Sie fällt – in mich hinein, durch mich hin­durch? Wer das weiß? Der Mann neben mir, er weiß nichts. Warum über­haupt? Wenn er das nicht weiß, wie fremd muss ich ihm dann sein. Ihm genügt meine Haut. Nein, nein, kein Protest, ihm genügt meine Haut. Warum auch nicht. Ich selbst fühlte mich wohler, wenn es nur um meine Haut ginge. ›Die eigene Haut ret­ten‹, ungeschoren davonkom­men, heißt das nicht: ein Ver­hält­nis been­den, ohne daran kleben zu bleiben? Wieviel bliebe kleben von mir, wenn ich heute ginge? Eine ganze Menge. Eine ganze Menge. Also: ein Teil von mir. Wie kann die Menge ganz sein, wenn sie nur ein Teil ist, ein Teil von mir? Ganz schön aus­ge­fuchst, diese Rede.

Also: ich muss es ihm sagen. Sage ich es, dann ver­wan­delt sich die Szene. Er wird nett zu mir sein, reizend und kon­stern­iert, mit einem Wort: lib­eral. Das ist er sich schuldig, es ist sein Gesicht. Ein Gesicht auf­set­zen, das kann er gut. Betont, abge­grenzt. Dieses Gesicht recht­fer­tigt ein anderes, viele andere. Sie alle wer­den zum Vorschein kom­men, eins nach dem anderen, ans Licht gezo­gen von diesem einen: Fol­ge­gesichter. Eigentlich kenne ich sie schon alle: Muskel­spiele. Mir genügt seine Musku­latur. Ist das wahr? So ein Gesichtsmuskel ist ein Präzi­sion­sin­stru­ment – fragt sich, für wen. Wer sich seiner bedi­ent, hantiert mit Risiken, die weit über das hin­aus­ge­hen, was er sich, nüchtern betra­chtet, leis­ten kann. Alles, was recht ist. Ihn aus­buch­sta­bieren, das war’s, was ich wollte: bin ich damit schon am Ende? Und wenn, alte Frage, an welchem? Ihm mein Kind zutra­gen, das ist ein anderes Pro­gramm, nicht wahr? Und trotz­dem: warum empfinde ich heute so stark, dass es unser Kind ist, nach­dem ich es wochen­lang einem anderen ange­tra­gen hatte – was die Sache nicht ganz trifft, da er es umstand­s­los als das seine akzep­tiert hatte. Was also meine ich, wenn ich ›unser Kind‹ sage oder denke? Bin ich es, die ›mein‹ Kind zu ›unserem‹ Kind macht, per Beschluss? Und wenn das so ist, auf welcher Ebene denke oder rede ich dann? Liegt hin­ter ›unserem‹ Kind ›mein‹ Kind, das ich beliebig gegenüber dem ›wir‹ reklamieren kann? Wenn nicht, wie oft? Ein­mal, zweimal? Kann ich es über­haupt oder bin ich schon eine Lügnerin, die nur den Mund nicht auf­bekommt, obwohl die Gele­gen­heit gün­stig und nahezu unwider­bringlich ist?

Ver­mut­lich war die Gele­gen­heit gün­stig, sie ging vor­bei, also war sie wohl eher ungün­stig, vielle­icht auch gar nicht vorhan­den. Was soll ich dazu sagen? Was sagt man über­haupt, wenn man sich in diesem Fall befindet? Der Mann ist ein Klotz, er sieht nichts, hört nichts, nimmt als gegeben, was seine Bedeu­tung noch gar nicht preis­gegeben hat, ist das ein Mann? Er will nicht wis­sen: das war es, was mir langsam, langsam in seinem ganzen Umfang aufging, obwohl ich – irgend­wie – es schon von der ersten Nacht her wusste. Die Art, wie er mich in die Arme genom­men hatte, ›ver­siegelnd‹, wenn das hier ein erlaubter Aus­druck ist, hatte es mich gelehrt oder hätte es, wenn ich für diese Art von Belehrung damals offen gewe­sen wäre. Deshalb – nur deshalb – kon­nte ich zu Peter ›zurück­kehren‹, obwohl nichts zurück­gekehrt war außer einer fatalen Ver­trautheit, die sich weder mit meiner noch mit seiner gewan­del­ten Per­son vertrug. Nein, er war nicht der Vater meines Kindes, er wäre es nie gewe­sen. Warum? Weil nur die Neugier uns wieder zusam­menge­bracht hatte: Was ist aus dir gewor­den, nach­dem ich abtrün­nig wurde? Wie kon­nte über­haupt aus dir etwas wer­den, nach­dem ich mich ver­ab­schiedet hatte? Bist du mehr gewor­den oder weniger? Das war etwas, das offen­bar nur im Bett erkun­det wer­den kon­nte, es war das Thema, das uns ver­band – ein kurzes Band, nicht beson­ders reißfest, aber das wusste ich ja bereits.

Nun also: die Gegen­wart. Sie trug einen Namen, besaß einen Geruch, sie ver­bre­it­ete sich, sie kam und ging, sie trug – hin und wieder – sogar getupfte Krawat­ten: Was will man von einer Gegen­wart mehr. Was will man über­haupt von einer Gegen­wart? Dass sie vergeht? Dass sie der Zukunft Platz macht? Wenn das der Fall sein sollte, dann war ich ein­deutig an den Falschen ger­aten. Michael war so sehr Gegen­wart, dass es mir gele­gentlich fast den Atem ver­schlug. Er per­son­ifizierte die Gegen­wart, die nicht verge­hen will. Ich kon­nte mir unschwer vorstellen, wie wir in Tausenden von Jahren, umschwirrt von einer verseuchten und dege­nierten Men­schheit, am Früh­stück­stisch saßen und das Pro­gramm des Tages besprachen – langsam, behut­sam erkun­dend, was der andere vorhatte, welche Wege er zu gehen gedacht und welche davon wir zusam­men gehen kön­nten –, aber ich wurde mir nicht schlüs­sig, ob dies meinen Absichten entsprach oder ob nicht unter­wegs etwas ver­loren gegan­gen sein würde, was ich jetzt nicht beschreiben kon­nte, was aber, wenn die Stunde der Wahrheit gekom­men sein würde, sich zu einem Schrei for­men würde.

Ich trug ihn also bere­its in mir, den kün­fti­gen Schrei, so wie ein Virus oder eine kleine chemis­che Anom­alie, die den Kör­per erst nach Jahren oder Jahrzehn­ten ruiniert, obwohl sie doch immer da war. Vielle­icht über­fordert uns unsere Art, mit wech­sel­nden Part­nern zusam­men zu leben – ander­er­seits hätte ich erstaunt reagiert, hätte ein intimer Betra­chter meine Ver­hält­nisse auf diesen etwas plumpen Nen­ner gebracht. Ich hatte – nach anfänglichem Schwanken – eine Entschei­dung gefällt und diese Entschei­dung war nicht rev­i­dier­bar. Fragt sich nur, worin sie bestand. In mir dauerte die Emo­tion jener ersten Nacht. Oft loderte sie hell, grund­los, ent­facht durch eine Winzigkeit, die erst nachträglich oder gar nicht in mein Bewusst­sein drang. In den Zwis­chen­zeiten ver­band uns eine Reißleine, auf die ich mich ver­lassen kon­nte: Wann immer ich es nötig hatte und an ihr zog, stand ich in Flam­men. Kein Zweifel, das Band war fest, biegsam und in hohem Maße all­t­agstauglich. Michael, nun, er war ›unkom­pliziert‹, die Stetigkeit selbst. Er kon­nte erstaunt und ein wenig neugierig blicken, wenn ich Dinge tat, die für ihn ›außer­halb meiner Norm‹ lagen. So nan­nte er das. Der Aus­druck ver­wirrte mich. Es ging um Kleinigkeiten – der Gedanke, dass mein Ver­hal­ten genormt war und er, im Gegen­satz zu mir, die Norm zu ken­nen glaubte, war im Grunde ebenso selt­sam wie der Umstand, dass sie ger­ade in kleinen Din­gen her­vortreten sollte. Ich weiß, der Psy­chologe lächelt. Die Art, wie man das Messer hält, wenn man Brot schnei­det, die unter­schiedlichen Antworten auf die Frage, wie die Marme­lade aufs Brot kommt, zu denen Men­schen fähig sind, die Bewe­gung, mit der man in einen Jack­enärmel fährt oder mit dem Schlüs­sel­bund klap­pert – alles hoch normiert, so dass man einen Men­schen dran erken­nen kann, wenn man ihn dann noch für einen hält.

Fol­gte ich Michael, so erstreckte mein Nor­mver­hal­ten sich über Bere­iche, in denen ich bisher frei zu haben glaubte. Zum Beispiel wusste er, in welche Buch­hand­lung ich nicht ging, welche Bücher ich nicht kaufen würde, welche The­ater außer­halb meiner Reich­weite lagen und welche Ausstel­lung ich nicht besuchen würde und welche Sendung er gle­ich abschal­ten kon­nte, ohne mich erst zu fra­gen: soviel Voraus­sicht war ich nicht gewohnt. Er wurde dabei nicht auf­dringlich, ich will kein falsches Bild von ihm zeich­nen. Es war seine Art, die Men­schen und Dinge zu ver­steti­gen, unauf­fäl­lig, unabläs­sig, unaufhalt­sam, fast hätte ich geschrieben: unab­weis­lich. Solche Charak­tere findet man in der Lit­er­atur, in psy­chol­o­gis­chen Hand­büch­ern sowieso, die Rit­u­al­forscher ver­suchen seit Jahr und Tag, öffentliche Aufmerk­samkeit auf ihre Unter­suchun­gen zu lenken, aber der­gle­ichen Gedanken lagen mir gegen­wär­tig – wie soll ich sagen – ferner, sie ent­behrten einer gewis­sen Muße, um in mir Fuß zu fassen. Ich merkte nur, dass ich ungeduldig wurde und dass diese Ungeduld etwas aufzuzehren begann, was ich als den Gewinn dieser gemein­samen Tage betra­chtete und noch immer betrachte.

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