nach Jorge Luis Borges

Da sind zwei Wege. Einmal der des Mannes
aus Stolz und Eisen dort; er reitet, firm
in seinem Glauben, durch den Wald voll Trug
– es ist die Welt –, von Spott umringt und dem
reglosen Tanz des Teufels und des Todes.
Und der andre, der kurze, der meine. In welcher
verloschnen Nacht, welch längstversunknem Morgen
entdeckten meine Augen die phantastische
Epopöe – ihn, Dürers dauerhaften Traum,
den Helden und die Riege seiner Schatten,
die mich verfolgen, ausspähn und bedrängen?
Mich, nicht den Paladin, ermahnt der bleiche
Alte, gekrönt von windungsreichen Schlangen.
Das Stundenglas misst, stetig, meine Zeit,
nicht seine ewiggleiche Gegenwart.
Ich werde Asche sein und Dunkel; ich,
der später aufbrach, werde schließlich mein
tödliches Ziel erreichen; du, der niemals war,
Ritter des blanken Schwertes und des kahlen
Waldes, du wirst den eigenen, graden Weg
hinziehen stets, solang die Menschen dauern,
nicht zu verwirrn, imaginär und ewig.


Wie im Innern einer Laterna magica erscheint das Dürersche Erinnerungsbild im Gedächtnis des blinden Dichters. Die Reise des Bildes durch die Zeit wird übertroffen durch die Reise der Erinnerung im Gedächtnis: diese ist Gegenwart, Immerdarheit. In der Apostrophe des Dichters an den Helden steckt eine List. Denn dieser, von dem der Dichter sagt, er werde ihn, den Hinfälligen, überdauern, weil ihn Vergänglichkeit nicht anfechte, in Wahrheit wird er mit der Imagination des Dichters dahinschwinden, in deren Raum er verharrt: allein die Apostrophe ist seine Bleibe.

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