Absaufen, Freunde, der nasse Tod – das ist nichts für Gesellschaften. Oder doch? (Apropos: Dies ist kein Freundschaftsangebot an alle. Was dann? Wie auch immer, es schafft Raum.) Eine abgesoffene Gesellschaft, wie schaut sie aus? Wrack, einsam am Meeresgrund modernd und vor sich hinrostend, von Fischschwärmen bewohnt, sich langsam mit Algen überziehend, vom lautlosen Fraß der Mikroorganismen einmal abgesehen: Wo sind die Bewohner? Wohin das lärmende Volk? Frage nicht! Frage die Planken, frage die Rettungsboote, frage die Retter, die Hinter- und Überbliebenen! Sie alle wissen es nicht. Nur von sich wissen sie zu berichten, allenfalls dem Nächsten, der sich als Fernster entpuppte: Rette sich, wer kann. Einige können, andere können nicht. Das bleibt übrig, wenn Gesellschaft zugrunde geht. Nicht viel, wenn man mich fragt. Was zwingt den Wasserscheuen, Tauchzeug anzulegen und unter Wasser auf Erkundung zu gehen? Das Gewissen? Welches Gewissen? Das Gewissen der Welt? Wurde sie schuldig? Die Welt hat kein Gewissen. Das, nur das, hat sie mit ihren Lenkern gemein. Sie lässt sich, anders als behauptet, auch nicht zugrunde richten. Das Zugrunderichten erledigt sie ganz allein. Alles, was zugrunde geht, ist sich selbst das Nächste. Der Einzelne, ruiniert oder nicht, geht zugrunde, sobald er sich aufgibt: nicht früher und nicht später. Eine Gesellschaft, die sich aufgibt, wird weltsüchtig, aber was sie erwartet, ist der nasse Tod. Die Welt will es so – so lautet die Formel all derer, die sich aufgeben, so lautet die Formel, mit der sie das Schiff aufgeben, das sie trägt. Wenn es einen Weltwillen gibt, so lässt er sich auf dem Grunde der Meere besichtigen: Wracks, an denen niemandem mehr etwas liegt, es sei denn den Schatztauchern, die niemals aufgeben, weil das Leben nicht weiß, was es sonst mit ihnen anfangen sollte. Hier liegt die Gesellschaft, unsere Gesellschaft, deren hallend beschworenes Wir vergangen ist und nicht mehr antwortet, meine Gesellschaft, in der ich so vieles noch vorhatte. Wohin soll einer wie ich sich wenden? An wen soll er sich wenden? Nur der Blick blieb vom Ich, der gebannte Blick, der sich nicht wenden lässt: Unverwandt starrt er auf die Trümmer eines Seins, das sich aufgab, um zu retten, was zu retten ist. Oben bleiben! An der Oberfläche, so geht das Gerücht, ist noch Platz.

Nachtbuch / Blog

 

 

T - Die Stufen des Kapitols Das Bersten

T. Die Stufen des Kapitols

Ein politischer Roman
Manutius Verlag Heidelberg
(Edition Zeno)
367 Seiten
ISBN 978-3-944512-28-0

Das Bersten

Erzählung
Manutius Verlag Heidelberg
(Edition Zeno)
267 Seiten
ISBN 978-3-944512-12-9

 

 

 

 

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